2011-12-20

Panasonic Lumix DMC-G3

Die Lumix G3 ist die neue Kamera meiner Tochter, die wir vorgestern bei B&H in New York gekauft haben. Nach anfänglichem Interesse an Nikon oder Canon Einsteiger-DSLR's habe ich sie überzeugen können, doch das Micro FourThirds System und seine Kameras näher ins Auge zu fassen. Schlagendes Argument war natürlich, dass sie Zugriff auf meine Objektive und sonstige Ausrüstung hat. Außerdem hat sie in letzter Zeit Gefallen an meiner Olympus E-PL1 gefunden. Vor dem Besuch im Laden war eigentlich die E-PL3 Favorit, doch diese ist -verglichen mit ihrer Vorgängering E-PL1- wirklich sehr ipsig geraten, wenn ihr versteht was ich meine (fehlender Handgriff, etc.). Auch wenn die G3 hier im Vergleich mehr Plastik-Anmutung hat, was die Features angeht, hat sie der Olympus einiges Voraus.
Zum ersten natürlich der neue 16MP Sensor, der eine höhere Auflösung und besseres S/N-Verhalten verspricht, insbesondere bei höheren ISO-Zahlen. Nicht dass ich den bewährten 12.3 MP Sensor in der E-PL1 nicht mag, für mich ist er völlig ausreichend, aber das Bessere war schon immer Feind des Guten! Und auch sonst gefallen der elektronische Sucher, die Touch-Bedienung des schwenkbaren LCD-Monitors und viele andere Kleinigkeiten. Ich hoffe, meine Tochter läßt mich mit dem Ding mal ein bißchen spielen....

2011-12-12

Minolta 16-II


Schon immer bestand der Wunsch des Fotografen nach kompakten Kameras, die man stets in der (möglichst: Hosen-) Tasche dabei haben kann. Schon die Ur-Kleinbildkamera Leica war ein solcher Versuch. Oskar Barnack hatte damals einfach einen Fotoaparat um den in Massen verfügbaren Cinefilm (35 mm) gebaut. Da verwundert es nicht, dass nach Fortschritten bei Optik und insbesondere beim Auflösungsvermögen des Films andere dasselbe später mit dem 16mm Film auch probierten, der mit ca. einem Viertel der Negativfläche auskommen muss.

 
Einer der erfolgreichsten Versuche war die Minolta 16 Serie, die es von 1955 bis 1974 zu kaufen gab und die den Namen Minolta in der Kamerawelt erst richtig populär gemacht hat. Dabei hat Minolta Konzept und Kamera (und später die Firma) vom Konan Institut übernommen, welches mit dem Konan 16 Automat die erste Kamera der Serie schon 1950 auf den Markt brachte. Die bei weitem häufigste Kamera der Serie, weil am längsten in Produktion (von 1960 bis 1974), ist diese Minolta 16-II. Sie hat ihrem fast baugleichen Vorgänger 16-I mehr Varianten an Belichtungszeiten und Blendeneinstellungen voraus. Beide Kameras gab es (wie heutige Digitalkameras) in verschiedenen Farben.

Das Grundkonzept vieler dieser Miniaturkameras geht auf die Ur-Minox von 1936 zurück. Filmtransport und Verschlussaufzug werden durch Zusammenschieben des Gehäuses vorgenommen. Höchst praktisch. Ansonsten kann man außer dem Bildzählwerk auf meinen Bildern alle Features erkennen. Minolta benutzte spezielle Kasseten für den Standard-16mm Film. Scharfstellen konnte man nicht, das Objektiv war auf eine mittlere Entfernung von ca. 3 m voreingestellt, bei Blende 16 reichte die Tiefenschärfe allerdings bis unendlich. Wer wollte, konnte aber den Standard-UV-Filter vor dem Objektiv (siehe Bild oben) einfach gegen Vorsatzlinsen tauschen. Die Nummer 0 erlaubte scharfe Fernaufnahmen bei allen Blenden, es gab aber auch Nahlinsen für Fotos ab 60 cm sowie Gelb-, Grün- und sonstige andere Filter.


Das Ende der spezielleren 16mm-Kameras kam ab 1972 mit dem Erscheinen der 110er Kassette (Pocketfilm) von Kodak und später auch anderen. Auch diese Kassette verwendete 16 mm breiten Film, allerdings kundenfreundlicher konfektioniert. Das Negativformat ist mit 10x14 mm übrigends etwas größer als das der neuen Nikon 1 Serie. Heute sind Immerdabeihosentschenkameras Realität, die verwendeten Sensoren dort aber winzig. So ein schickes Alugehäuse wie die Minolta hier, was auch noch nach 40 Jahren gut aussieht, sieht man heute leider selten.

2011-12-02

Lytro Lichtfeldkamera

Das sind die drei Varianten der Lytro Kamera, die man derzeit noch nicht kaufen, aber schon vorbestellen kann. Es wird die erste sogenannte Lichfeldkamera sein, die zu einem akzeptablen Preis von jedermann gekauft werden kann. Die Idee zu einer solchen "plenoptischen" Kamera existiert schon länger, ein Prototyp in Form eines modifizierten Mittelformatsensors plus spezieller Software wurde im Rahmen von Ren Ng's Doktorarbeit (2006) (eine Zusammenfassung gibt's hier) ander Stanford-Universität gebaut und benutzt. Aber auch von anderen gibt es ähnliche Ansätze zumindest als Laborstudien. Ren Ng ist heute übrigends CEO von Lytro und versucht mit dieser Firma -nun ja- die Fotografie zu revolutionieren. Ob Lytro das gelingen wird wird die Zukunft zeigen, auf alle Fälle sind sie die ersten, die neue technische, aber auch gestalterische Möglichkeiten aufzeigen. Endlich nutzt mal jemand die immensen Fortschritte, die die digitale Sensor-technologie, Mikroprozessoren und Bildalgorithmen in den letzten Zehn Jahren erfahren haben, nicht nur um mit digitaler Fototechnik die gute alte Tante Film nachzubilden, sondern um alte Paradigmen wie den Zusammenhang zwischen Blendenöffnung, Brennweite und Schärfentiefe aus den Angeln zu heben.
Um zu verstehen, was an der Kamera nun anders ist, muss ich ein bißchen ausholen. Jedes Pixel (oder Silberhalogenidkorn) einer konventionellen Kamera summiert einfach während der Aufnahme das auf diese Stelle fallende Licht auf. Es entsteht ein zweidimensionales Bild, weil das Objektiv ein Objekt eben genau auf diese Ebene projiziert und die zum Objekt gehörenden Lichtstrahlen auf das entsprechende Pixel bündelt (bei einem scharfen Abbild). Das "Pixel" weiß aber nichts über die Richtung der Lichtstrahlen, die es treffen. Wenn es das wüßte, dann wäre ein entsprechender Kamerasensor mit entsprechendem Mikroprozessor in der Lage, auch Bilder zu rechnen, die auf virtuellen Ebenen vor oder hinter dem eigentlichen Sensor scharf abbilden. Raytraycing-Algorithmen aus der modernen Computergrafik machen es möglich.
Abbildung aus A. Gershuns Artikel, in dem er den Begriff Lichtfeld prägt. (Gershun, A. (1936). "The Light Field", Moscow, 1936. Translated by P. Moon and G. Timoshenko in Journal of Mathematics and Physics, Vol. XVIII, MIT, 1939, fig 17)
Schon 1936 hat der russische Mathematiker Gershun den Begriff des Lichfelds geprägt, eine 5-dimensionale Darstellung allen Lichtes in einem definierten Raum. Ein Lichtstrahl ist definiert über einen Punkt in diesem Raum (x,y,z) und zwei Winkeln, die seine Richtung angeben (zusammen: 5 Dimensionen). Bei unserer sog. 4D-Lichtfeldkamera kann man auf eine Dimension verzichten, da man nur das Lichtfeld im Raum zwischen Objektiv (speziell der Blendenebene) und dem Sensor betrachtet und davon ausgehen kann, dass dieser Raum leer ist und ein Lichtstrahl sich darin geradlinig fortpflanzt. Die verbleibenen 4 Dimensionen kann man anschaulich am Besten über die beiden Schnittpunkte des Lichtstrahls mit der jeweils zweidimensionalen Blenden- und der Sensorebene verstehen, die den Strahl eindeutig definieren.

Wie baut man jetzt aber einen Digitalsensor, der nicht nur die Helligkeit an einem Punkt erfasst, sondern zusätzlich noch die Richtung der verschiedenen Lichtstrahlen, die ihn dort treffen? Der Trick besteht in einem Mikrolinsenraster vor dem Sensor, eine sog. "plenoptische Kamera". Jede dieser Mikrolinsen repräsentiert nun ein Pixel der Lichtfeldkamera und bildet das virtuelle Bild in der Blendenebene des Hauptobjektivs auf möglichst viele darunterliegende Pixel des eigentlichen Sensors ab. Die Bildverarbeitung erledigt den Rest: Jedes Mikrobild (Lichtfeldpixel) enthält nun Informationen nicht nur über die Helligkeit an dieser Stelle des Bildes, sondern auch über die Richtung der Lichtstrahlen. Und wenn man das Diagramm anschaut, kann man nun auch verstehen, dass ein Algorithmus nun in der Lage ist, aus den zusätzlichen Informationen auch andere Bilder zusammenzurechnen als nur das eine konventionelle.
Die Kamera verspricht nachträgliches Fokussieren per Bildbearbeitung, auf Lytro's Web-Site kann man das sogar anhand vieler Beispiele selbst nachvollziehen. Außerdem wird der uralte Zusammenhang zwischen Blende und Schärfentiefe aufgehoben, man kann also Bilder mit hoher Schärfentiefe und gleichzeitig kurzer Verschlusszeit machen. Gerade für Makro- (oder Mikro-) aufnahmen ergeben sich tolle Möglichkeiten mit deutlich erweiterter Schärfenkontrolle. Ich bin fasziniert von diesen Möglichkeiten, zweifele aber ein bißchen am großen Markterfolg der Kamera. Dafür ist sie einfach zu ungewöhlich: das Design ist zwar auffallend, schlicht und schön, aber eben auch viel zu anders als das, was wir als Kamera gewohnt sind. Und auch die implizierte Aufforderung an den Betrachter mit der Schärfe im Bild selbst zu spielen kommt nicht direkt rüber.
Ren Ng hat in seiner Dissertation aber schon auf andere versteckte Möglichkeiten der Technologie hingewiesen, und hier bin ich sicher, dass sie unweigerlich in zukünftigen Digitalkameras kommen werden: Objektive können mechanisch und optisch simpler gehalten werden. Man lasse z.B. den Autofokusmotor weg und kann trotzdem ein weit geöffnetes Fixfokusobjektiv bauen und einfach nachträglich elektronisch (und automatisch) fokussieren. Objekive können mit weniger Linsen gebaut werden, da man die Abbildungsfehler (verschiedene Formen der Aberation) ja elektronisch nun wieder rausrechnen kann. Lassen wir uns überraschen....

Nachtrag vom 2.1.2015: Inzwischen habe ich eine solche Kamera im Black Friday Sale 2014 günstig erwerben können. Natürlich habe ich auch ausgiebig getestet. Meine Ergebnisse und das Fazit kann man hier nachlesen:

2011-11-23

Gerücht: Fujifilm LX

Ich beteilige mich ja ungern an Gerüchten, aber das hier scheint wirklich interessant zu werden. Im Internet sind erste Bilder einer spiegellosen Systemkamera von Fujifilm aufgetaucht, geschossen vom einem Handy durch die Scheibe eines Reinraums in China. Die Kamera erinnert an Fujifilms X100, die sehr viel Zuspruch im letzten Jahr gefunden hat und die man in dem Zusammenhang sicher als Fujifilms Testballon für ein LX System bezeichen kann. Mehr Informationen gibt es hier. Von dem, was man heute schon ahnen kann, ist Fujifilm meinem Geschmack nach auf dem richtigen Weg, im Gegensatz z.B. zu Nikon. Fragt sich nur noch, ob der Digitalkamera-Marktführer Canon nicht auch noch die Kurve in diese Richtung kriegt, und wenn dann wie...?
Besonders interessant an Fujifilms neue(n) Kamera(s) ist sicher der zu erwartende Sensor. Hier gibt es solide Ankündigungen von Fujifilm selbst, und es ist sicher nicht übertrieben zu behaupten, dass sich die alte Filmtante Fuji damit an die Spitze der Sensorentwicklung setzt, wenn die Erwartungen denn erfüllt werden. Ich bin sehr gespannt...

2011-11-18

Konica C35 AF

Das ist sie: die erste kommerziell erhältliche Autofokuskamera, ein relativ unscheinbarer Meilenstein der Fotografie.  Auf den Markt gekommen ist sie Ende 1977, nachdem einige Kamerahersteller schon auf der Photokina 1976 AF-Prototypen zeigten und insbesondere Leica schon ab 1973 Patente zum Thema AF angemeldet hatte. Es war aber die relativ kleine Firma Konishiroku Honten, die diesen Punkt landen konnte. Konica setzte damals als erster "Kunde" Honeywells Visitronic Autofokussystem ein, ein passives AF-System, welches änlich wie eine Messsucherkamera über bewegliche Spiegel zwei Halbbilder zur Deckung bringt und per elektronischem Sensor auswertet. 

Die Kamera selbst ist ein interessanter Hybrid zwischen Mechanik und Elektronik. Mit dem Schnellschalthebel tranportiert man nicht nur den Film, sondern spannt auch den Verschluss und zieht einen Federmotor für das AF-System auf: Die Kamera fokussiert auf die nächst mögliche Entfernung (1,10 m). Drückt man dann den Auslöser, schnurrt das Objektiv in Richtung Unendlich zurück, gleichzeitig bewegen sich oben hinter den AF-Fenstern die Spiegel und der AF-Sensor löst den Verschluss aus, wenn er beschließt, dass es jetzt scharf ist. Neben dem AF gibt es selbstverständlich noch eine Belichtungsautomatik mit drei Verschlusszeiten (1/60, 1/125, 1/250 s) und Blenden von 2.8 bis 22, keines von beiden ist manuell einstellbar. Wählen kann man hingegen, ob der Biltz verwendet werden soll. Dafür drückt man den silbernen Knopf unten am Objektiv und der Blitz wird 1 cm nach oben ausgefahren. Wenn der Blitz an ist, wählt die Kamera automatisch die Blende zur ermittelten Entfernung, so wie sich das für eine vollautomatische Kamera gehört.


Der Ruhm für das Autofokussystem gebührt Norman Stauffer der sich schon seit den 60er Jahren für seine Firma Honeywell mit Autofokus beschäftigte. 1975 wurde das entscheidende Patent erteilt und Honeywell entschied sich, nur das eigentliche AF-Modul selbst zu bauen und die Technologie an Kamerabauer zu lizensieren. Die Leute von Konica waren die schnellsten, die damit am Markt waren.  Als dann (fast) alle Kamerahersteller auf den Autofokuszug aufsprungen, stellte sich heraus, dass manchen Honeywell's Patente egal waren und sie eben keine Lizenzgebühren gezahlt hatten. Minolta brachte 1985 mit der Maxxum 7000 die erste AF-SLR mit AF-Motor im Gehäuse raus un dachte wohl, dass dazu die von Leitz gekauften AF Patente ausreichen. Aber Honeywell klagte auf Patentverletzung und bekam am Ende Recht. Minolta musste 1992 $127.5 Millionen an Honeywell zahlen. Und in Folge einigte man sich noch mit Chinon, Ricoh and Vivitar (zusammen 11.4 mio $), Nikon ($45 mio), Asahi Pentax ($21 mio), Canon und Olympus ($34.7 mio). Ein recht wertvolles Patent also.

Die Konica C35 AF stand übrigends Pate für eine ganze Reihe ähnlicher Kameras. Manche sehen dem Vorbild fast zum Verwechseln ähnlich:  Fujica Flash AF (1978), Rolleimat AF (1979), Yashica Auto Focus (1978), Minolta Hi-Matic AF (1979), Chinon 35 F-A (1979), Mamiya 135AF (1979), ein Schelm, wer sich seinen Teil dazu denkt.

2011-11-13

Simplex Snapper


Heute war endlich wieder die Second Sunday Camera Show in Wayne/NJ, die jetzt leider nur noch alle 4 Monate stattfindet. Ich habe wieder zugeschlagen und insgesamt 4 Kameras für zusammen nur 60$ erworben. Alle bedienen ein unterschiedliches Bildformat und haben alle was Spezielles. Ich werde sie natürlich der Reihe nach hier vorstellen und beginne mit dieser interessanten Plastikkamera für das Instamatic Format (126er Kassette).

Hergestellt von der American Optical Corporation ("AO") anfang der 70er Jahre, macht sie perfekt Gebrauch von der Tatsache, dass der Film ja in seiner Kassette schon ein Gehäuse hat. Das Objektiv (ein einfacher Meniskus), der Verschlussmechanismus und der Sucher sind in einem kleinen Gehäuse untergebracht, das mit einer großen Klammer einfach auf die Filmkassette geklemmt wird. Simpler geht's fast nicht. Optische Wunder und perfekt belichtete Bilder muss man sicher nicht erwarten, aber die meisten anderen einfachen Instamatic-Kameras lieferten ja auch nichts anderes.
Viele weitere Informationen findet man zu der Kamera nicht, ich vermute ähnliche technische Daten wie bei Kodaks Vorbildern (ca. 45 mm f/11 Fix-Fokus, 1/90 s Belichtungszeit oder so...). Immerhin gibt es ein paar kleinere technische Schmankerl: Anschluss für einen Blitzwürfel-Blitzgerät und eine Doppelbelichtungssperre. Wer doch noch genaueres weiß, bitte als Kommentar anfügen.
Jetzt aber keine Sorge: die anderen drei Kameras sind alle technisch deutlich anspruchsvoller. Eine davon ist sogar eine sog. Landmark-Kamera, die unter die Top-20-Cameras-of-all-time aufgenommen wurde. Überraschen lassen!

2011-11-06

Polaroid SX-70 Sonar OneStep

Bei meinen bisherigen Polaroid-Posts habe ich schon etwas von meiner erst im letzten Jahr entstandenen Begeisterung für diese Kameras kundgetan. Im Gegensatz dazu habe ich früher das Sofortbild als einen auf der einen Seite teuren, auf der anderen Seite aber nicht wirklich ernsthaften Zweig der Fotografie abgetan. Die meisten der Kameras lieferten ein billiges Point-and-Shoot Image und das war natürlich nichts für einen ernsthaften Amateurfotografen...
Mit der SX-70 hat Edwin Land allerdings 1972 sein Meisterstück abgeliefert. Obwohl die Kamera äußerst simpel wirkt und auch so bedient werden kann, ist jedes Detail bis ins Kleinste durchdacht und optimiert. Diese Kamera ist wirklich ein Landmark, ein Meilenstein in der Geschichte der Fotografie und kann hinsichtlich Design, Bedeutung und Markterfolg vielleicht mit Apples iPhone verglichen werden.

Man muss es sich wirklich alles auf der Zunge zergehen lassen. Es ist vom Bildformat her die wohl kompakteste Mittelformatkamera, dabei noch eine SLR (einäugige Spiegelreflex), hat eine elektronische Belichtungssteuerung und einen motorischen Bildvorschub. Und das alles in einem Gehäuse, dass zusammengklappt in der Jackentasche nicht aufträgt. 1978 wurde der einmalige Sonar Autofocus ergänzt und damit die SX-70 zur ersten AF-Spiegelreflex überhaupt. Das Pfiffige am Sonar-System ist, das es auch bei absoluter Dunkelheit funktioniert. Auf der anderen Seite kann man nicht durch Scheiben hindurch oder auf Spiegelbilder scharfstellen. Dazu gibt dann einen kleinen Hebel, mit dem man den AF abschalten und manuell fokussieren kann.

 

Auch wenn das Video aus den 70ern echte Längen hat (am Besten zwischendurch einfach "vorspulen"), zeigt es doch viele sonst verborgene Details. Was nicht erwähnt wird: Zum Fokussieren wird nur das Frontelement des 116 mm f/8 Objektivs verschoben. Dies erlaubt die wirklich erstaunliche Naheinstellgrenze von weniger als 25cm. 

Ich habe die Kamera schon benutzt und zwar mit dem Impossible PX-70 Color Shade Filmpack. Auch wenn betont wird, dass dieser Film noch im experimentellen Stadium ist, war ich doch enttäuscht. Nicht nur von der wirklich mangehaften Farbwiedergabe, sondern auch Auflösung und Kontrast sind nicht wirklich da. Wenn man das heute sieht, kann man Polaroids Leistungen mit dem Film in den 70ern  nicht hoch genug einschätzen. Ich habe noch ein Filmpack vom PX-100 Silver Shade, da erwarte ich ein bisschen mehr...

2011-10-18

Universal Mercury II


Beim "town-wide garage sale" anfang diesen Monats musste ich lange suchen, um überhaupt Kameras zu sehen. Am Ende aber wurde ich fündig und konnte für nur 5$ dieses Schnäppchen machen, eine Kamera, deren Hersteller mir bis dato unbekannt war. Bei Recherche und Beschäftigung mit der Kamera wurde mir nach und nach klar, welches Schätzchen ich da für meine Sammlung ergattert hatte.

Universal Camera wurde 1932 in New York City von einem Banker und einem Versicherungsmakler gegründet, die mit dem Verkauf von billigen Massenkameras (UniveX) und entsprechendem Film erst einmal nur ein gutes Geschäft machen wollten. Ihr Geschäftsmodell basierte auf einem Vertrag mit der belgischen Firma Geveart, die einen speziellen zwar 35mm breiten, aber unperforierten Rollfilm lieferte. So konnte man Kameras billig verkaufen und hinterher am speziellen Film verdienen (kennen wir solche Geschäftsmodelle nicht auch heute noch?). Mit George Kende hatte man aber einen sehr fähigen Chefingenieur an Bord, der 1937 mit der Univex Mercury CC eine hochwertige Kamera designte, die schon speziell war und in ihren technischen Eigenheiten wenig mit den anderen Kleinbildkameras á la Leica, Contax et al. auf dem Markt gemein hatte.

Wer sich bis jetzt gefragt hat, was dieser Buckel auf der Kameraoberseite zu bedeuten hat, kann sich das Patent genauer ansehen (einfach auf das Bild klicken). Das zentrale Designmerkmal der Kamera ist ihr einmaliger Rotationsverschluss, sowas ähnliches kannte man bisher nur von Filmkameras. Durch Verdrehen zweier Halbscheiben gegeneinander bleibt immer ein Kreissegment mit variablen Winkel frei, die Rotation der Scheibe selbst ist immer gleich schnell (bei meiner Kamera knapp unter einer Sekunde für eine Umdrehung). Das freie Segment überstreicht nach dem Auslösen das Filmfenster (18 x 24 mm: "Halbformat", obwohl die Kamera eher KB-Dimensionen hat). 180° ergeben ca. 1/20 Sekunde, knapp 4° die 1/1000 s. Das wäre bis 1936 Weltrekord gewesen.


Doch 1936 kam die Contax II von Zeiss Ikon auf den Markt und die hatte als schnellste Verschlusszeit 1/1250 s. Universal konterte das 1939 mit der Mercury CC-1500 Superspeed. Eine stärke Feder wurde eingebaut, die 1/1500 durch schnellere Rotation der Scheibe realisierte. Leider brach diese Feder dann auch gerne, und Universal nahm die schnellere Version schon nach einem Jahr wieder vom Markt.
Universals Vorstoß in die Welt hochwertiger Kameras war riskant und kostspielig. Dummerweise fiel mit dem Beginn des zweiten Weltkriegs auch Geveart als Filmlieferant und damit die geldbringende Geschäftsgrundlage weg.  Zwangsläufig brachte man 1946 dann diese Mercury II als technisch fast identische Nachfolgerin, diesmal aber für den normalen 35 mm Kleinbildfilm, wie ihn auch fast alle anderen Hersteller benutzten. Doch schon 1952 war Universal Camera pleite.  So geht es, wenn Managementfehler und Pech zusammentreffen...


Bei meinem Post zur Polaroid Highlander hatte ich gefragt, ob dies die erste Kamera mit einem Mittenkontakt ("Hot Shoe") wäre. Hier ist die Antwort: Nein, die Mercury CC war 1938 die erste Kamera mit einem solchen und obiges Patent erwähnt auch dieses Feature, was später alle UniveX Kameras hatten. Alle anderen Kamerahersteller, die den Mittenkontakt Ende der 60er/Anfang der 70er Jahre einführten, haben sich sicher gefreut, dass das Patent längst abgelaufen war.

2011-10-16

Compur Rapid (Zentralverschluss)

Als Nachtrag zur Contaflex II hier der entsprechende Compur Reflex Zentralverschluss, eingebaut ins Zentrum des Tessars, daher der Name. Oder heißt ein Zentralverschluss so, weil er sich vom Zentrum her öffnet? Wie dem auch sei, die Animation oben und auch das Schema unten zeigen eigentlich sehr schön, wie so ein Ding funktioniert. Interessant finde ich den Vergleich zwischen den deutschen und englischen Bezeichnungen für die beiden wichtigsten Verschlusstypen: Der ZENTRALVERSCHLUSS heißt im englischen LEAF SHUTTER (also "Blattverschluss"), wohingegen der deutsche SCHLITZVERSCHLUSS auf englisch FOCAL PLANE SHUTTER ("Schärfe-Ebenenverschluss") genannt wird. Also jeweils ein Mischmasch aus Funktions- und Positionsbezeichnung.
As an addendum to the Contaflex II here is the respective Compur Reflex leave shutter, sitting in the center of the Tessar, hence the German name 'Zentralverschluss' (Center Shutter). Anyway, the animation above and also the scheme below actually show nicely how the thing works. The comparison between the English and German names for the two main shutter types is quite interesting: The leaf shutter is named ZENTRALVERSCHLUSS in German, whereas the focal plane shutter is called SCHLITZVERSCHLUSS (Slit Shutter). In each case a mishmash of function and position description.
Ein Zentralverschluss ist ein interessantes feinmechanisches Gebilde und wurde schon 1904 von Friedrich Deckel und Christian Bruns erfunden und danach in immer besseren Varianten erfolgreich vermarktet. Aus Deutschland heraus dominierten die Firmen Friedrich Deckel in München (Compur) und Alfred Gauthier in Calmbach (Prontor) den Markt, beide gehörten am Ende zum Carl Zeiss Konzern, aus Japan kamen später mit Copal und Seikosha ebenbürtige Wettbewerber. Bei meinen Kameras mit Zentralverschluss dominiert der Compur (Contaflex II, Agfa Isolette II, Braun Super Colorette, Balda Hapo-24), danach Seikosha (Sears SL-9, Aires 35-V) und Copal (Yashica Lynx 5000, Olympus PEN EES-2), die anderen (Rollei 35, Seagull) sind wohl Eigenkonstruktionen bzw. in Lizenz gebaut.
A leaf shutter is an interesting fine mechanical structure and was invented already in 1904 by Friedrich Deckel and Christian Bruns. They later successfully launched more and more improved versions. From Germany, the two companies Friedrich Deckel in Munich (Compur) and Alfred Gauthier in Calmbach (Prontor) dominated the market, both at the end part of the Carl Zeiss Group. Later, from Japan Copal and Seikosha became on par competitors. Within my cameras having a leaf shutter the Compur dominates (Contaflex II , Agfa Isolette II , Braun Super Colorette , Balda Hapo-24 ), then Seikosha ( Sears SL-9 , 35-V Aires ) and Copal (Yashica Lynx 5000 , Olympus PEN EES 2 ), the other ( Rollei 35 , Seagull ) are probably self-designed or built under license.

2011-10-11

Zeiss Ikon Contaflex II

Zusammen mit der Yashica Lynx-5000  und der Kodak Instamatic 104 habe ich vor ein paar Monaten diesen Kamera gewordenen Ausdruck deutscher Ingeieurskunst auf einem amerikanischen Flohmarkt für (zusammen!) nur 15$ erworben. Immer noch ein Schnäppchen, obwohl lediglich die einfache Instamatic intakt war. Doch für den Preis konnte ich nicht widerstehen. Immerhin funktionierte der Auslöser und die Blende noch, die Kamera ließ sich spannen und auch äußerlich war sie noch ganz ansehnlich. Der Selenbelichtungsmesser zeigte wie so viele seiner 50 Jahre alten Kollegen nichts mehr an, aber das kann man verschmerzen. Was mich wurmte war, dass man durch den Sucher nichts mehr sehen konnte, anscheinend klappte der Spiegel nicht in seine vorgesehene Position. Spuren nach zu urteilen hatte schon vor mir jemand an der Kamera geschraubt, die Entfernungsskala am Objektiv fehlte und noch das eine oder andere Schräubchen. So habe ich mich also im Netz umgeschaut und auch tatsächlich ein Reparaturhandbuch gefunden, was 190 Seiten hat und eigentlich unverständlich ist. Auch findet man Beschreibungen, die einen mehr oder weniger direkt warnen, die Finger Schraubenzieher von dem Ding zu lassen, es wäre einfach zu kompliziert. Das hat mich aber irgendwie noch mehr herausgefordert und ich konnte ja nur gewinnen (habe ich gedacht!). Ich hab mich also an die Arbeit gemacht und das Ding fein säuberlich zerlegt, wie folgendes Bild beweist:
Nach ein paar Stunden habe ich aufgehört, die Teile weiter zu zerlegen. Ich wollte ja am Ende zumindest wieder ein Exemplar für die Vitrine haben. Ich kann nur bestätigen, was ich gelesen hatte: Die Kamera ist vermutlich eine der kompliziertesten und komplexesten mechanischen Konstruktionen, die es auf dem Markt je gegeben hat. Es hat mich einige Zeit gekostet und ich musste mehrfach zwischendurch aufgeben, bis ich sie am Ende wieder mit allen Teilen zusammen hatte. Leider muss ich gestehen, dass ich zwar den Spiegel in seine Sollposition bringen konnte und nun ein heller Sucher erstrahlt, der Auslöser aber nun blockiert ist. Tja, alles kann man halt nicht haben. Vielleicht versuche ich es an einem langweiligen Winterabend nochmal...

Zeiss Ikon brachte 1953 mit der Contaflex I eine kompakte SLR mit festeingebautem Objektiv und Zentralverschluss auf den Markt, die überhaupt erste ihrer Art. Entscheidendes Designmerkmal war der damals neue Compur Reflex Verschluss, um den herum quasi die Kamera konstruiert wurde. Die 1954 folgende Contaflex II war dieselbe Kamera mit zusätzlich eingebautem (ungekuppeltem) Selenbelichtungsmesser. Die Contaflexreihe war für den anspruchsvollen Amateur gedacht und wurde bis 1970 in verschiedenen Varianten angeboten. Bei der Markteinführung 1954 kostete sie 498 DM (in heutigem Geld ca. 1200€) und war trotz des Preises, aber wegen der soliden Verarbeitung und einiger damals herausragender Eigenschaften (die helle Sucherscheibe, das exzellente Tessar, ...) ein Erfolg am Markt. Zeiss Ikon fand einige Nachahmer (Kodak Retina Reflex, Voigtländer Bessamatic, um nur die beiden wichtigsten Konkurrenten zu nennen), allerdings hatte das Konzept mit dem Zentralverschluss entscheidende Nachteile: Nur (Vor-)Satzobjektive, eingeschränkte Lichtstärke, super komplexer Auslösevorgang, kein Rückschwingspiegel, u.a.. Die immer wieder genannten angeblichen Vorteile (Blitzsynchronisation bei allen Zeiten und kompaktere Bauweise) wollen mir nicht wirklich einleuchten. Wenn ich meine Nikon F, die immerhin ab 1959 gebaut wurde, in die Hand nehme, dann weiß ich genau, warum diese Kamera zum Archetyp der modernen Schlitzverschluss-System-SLR wurde (die Vorteile aufzuzählen, spare ich mir hier). Zeiss Ikon hielt auch aus Marketinggründen viel zu lange am komplizierten Zentralverschluss fest und besiegelt damit das Ende der westdeutschen industriellen Kameraproduktion. Frank Mechelhoff hat letzteres detailliert in einem interessanten Artikel beschrieben.

Die Contaflex 126, die ich als Kind schon mal benutzen durfte, hatte übrigends einen Schlitzverschluss. Ein paar Jahre früher als Kleinbildkamera auf dem Markt gebracht, vielleicht hätten die Deutschen den Japanern damit noch etwas länger Paroli bieten können. Die Contaflex-Serie hat sich ihren Namen übrigends von einem berühmten Vorfahren geborgt. Die urprüngliche Contaflex von 1935 war eine zweiäugige Spiegelreflex ("TLR", mit Schlitzverschluss!) und hatte als erste Kamera überhaupt einen eingebauten Belichtungsmesser. Zu ihrer Zeit war sie (auch preislich) quasi der Maybach der Kleinbildkameras, wurde selten verkauft und ist heute als Sammlerstück entsprechend heiß begehrt. Nicht zu vergleichen mit den 5$ für meine defekte Contaflex II... 

Nachtrag: Im Oktober 2012 konnte ich eine funktionierende Contaflex II erwerben...

2011-10-04

Olympus Zuiko 9-18 f4.0-5.6

This is my fourth and so far the lightest (5.5 oz, 155 g) super-wide angle lens. It fits perfectly with my E-PL1 . With focal lengths (35 mm eq.) of super-wide 18mm (100° angle of view) to the moderate "standard" wide-angle 36 mm (62° angle of view) in my eyes it covers a very suitable everyday usage range. Therefore, sometimes I even leave the ordinary standard zoom at home. One should mention that you can't take pictures in this compact form, which is only for transportation. One has to turn the zoom ring to extend it:
Dies ist mein viertes und bisher leichtestes (155 g) Superweitwinkel-Objektiv. Es passt perfekt zu meiner E-PL1 . Mit Brennweiten (KB) von superweiten 18mm (100° Bildwinkel) bis zum moderaten "Standard"-Weitwinkel von 36 mm (62° Bildwinkel) deckt es einen für mich sehr alltagstauglichen Bereich ab, so dass ich sogar machmal das normale Standardzoom einfach zu Hause lasse. Man sollte erwähnen, dass man in dieser kompakten Form nicht fotografieren kann (die ist nur für den Transport), man muss es durch Drehen des Zoom-Ringes erst ausfahren:
However, a very practicable approach. About its imaging performance it has already been written a lot, for example here . I can't complain either. I have not yet done a direct comparison with my Zuiko 7-14, but they both play in different weight and price categories. Nevertheless, I find the image quality to be excellent, the missing 14° angle of view between 9 and 7 mm does not really bother me (besides I can use my 7-14 per adapter also on the E-P1!). Here is a sample photo, taken last weekend at the Brooklyn Bridge in New York:
Dennoch ein sehr praxistauglicher Ansatz. Über die Abbildungsleistung ist schon geschrieben worden, z.B. hier . Auch ich kann nicht meckern. Einen direkten Vergleich mit meinem Zuiko 7-14 habe ich noch nicht gemacht, aber beide spielen ja in unterschiedlichen Gewichts- und Preisklassen. Trotzdem finde ich die Abbildungsleistung exzellent, die fehlenden 14° Bildwinkel im Vergleich zwischen 9 und 7 mm stören mich nicht wirklich (außerdem kann ich ja mein 7-14 per Adapter auch an der E-PL1 nutzen!). Hier ein Probefoto, aufgenommen letztes Wochenende unter der Brooklyn Bridge in New York:

Since I now have presented all four of my super wide lenses here, it's time for a comparison. Everyone has something special: The Carl Zeiss 20 f2.8 Flektogon is the most popular successor of the first retro-focus wide angle design for an SLR, the Nikkor 20 f3.5 is probably still the most compact (though slightly heavier than my newest!) super wide angle on the market, the Zuiko 7-14 is at the moment probably the best super wide zoom on the market, and finally here is the lightest of such lenses. Below see the comparison pictured. One might think that my need for super wide lenses is now satisfied? Well, if someone brings out a compact 10mm f2.8 prime lens for mFT I could probably get weak again. Even with a fisheye I have not played yet...
Da ich jetzt alle vier meiner Superweitwinkel hier schon vorgestellt habe ist es Zeit für einen Vergleich. Alle haben etwas besonderes: Das Carl Zeiss Flektogon 20 f2.8 ist als populärster Nachfolger der ersten Retrofokus-WW ein Klassiker, das Nikkor 20 f3.5 ist wohl immer noch das kompakteste (wenn auch etwas schwerer als mein neuestes!) Superweitwinkel auf dem Markt, das Zuiko 7-14 im Moment wohl das beste SWW auf dem Markt, und schließlich hier das leichteste SWW. Unten der Vergleich im Bild. Man könnte meinen, mein Bedarf an SWW ist nun gestillt? Nun ja, falls jemand eine kompakte 10 mm f2.8 Festbrennweite für mFT rausbringt könnte ich wohl nochmal schwach werden. Auch mit einem Fisheye habe ich noch nicht gespielt...

Still here for those interested in the link on the lens architecture ...

Hier noch für Interessierte der Link auf die Objektivkonstruktion ...

2011-09-26

Yashica Lynx-5000

Diese feine Messsucherkamera kam auf einem Flohmarkt in meinen Besitz. Wie die anderen beiden Kameras, die ich quasi im Paket vom Verkäufer für zusammen 15$ erstanden habe, war sie als defekt deklariert. Nach etwas Reinigen sieht sie nun rein äußerlich exzellent aus. In den letzten Tagen habe ich sie relativ weit zerlegt, um den Verschluss wieder gangbar zu machen, der nur ab und zu auslöste und auch um sonst zu schauen, was so defekt ist. Den Verschluss habe ich einfach nur gereinigt und jetzt flutsch er wieder. Einen losen Spiegel im Messsucher habe ich auch wieder an den beweglichen Halter geklebt, allerdings fehlen mir die Mittel um den großen (früher) halbdurchlässigen Spiegel neu zu bedampfen, er ist heute an den meisten Stellen voll durchlässig und daher ist der Sucher zumindest zu Scharfstellen nicht mehr zu gebrauchen. Genauso verhält es sich mit dem Belichtungsmesser: der Blendenring verstellt nicht nur die Blende, von innen ist er ein Schiebewiederstand, dessen Kohleschicht weggerubbelt ist. Auch das irreparabel. Mangels der heute nicht mehr verfügbaren Quecksilber-Batterie, würde der Belichtungsmesser eh nicht mehr funktionieren. Mechanisch ist das Ding also wieder auf der Höhe, elektrisch und (Sucher-) optisch vermutlich bleibend defekt.

Ehrlich gesagt, macht die Kamera aus heutiger Sicht einen soliden Eindruck, beeindruckt aber mit ihren Features niemanden mehr. Allerdings hätte ich aufgrund dieser die Kamera auf '70er Jahre geschätzt und musste beim Recherchieren erstaunt feststellen, dass ich recht weit daneben lag. Das Schätzchen wird nächstes Jahr 50 (ab 1962 auf dem Markt) und hat mit dem Copal-SV Verschluss, den sie mit ihrer zwei Jahre älteren Vorgängering Lynx 1000 (Selenzelle statt CdS) teilt, den schnellsten Zentralverschluss an Bord, der je in einer Kleinbildkamera eingebaut wurde. Die 1/1000 Sekunde waren damals (wie immer noch heute) Rekord und wurden damals nur von Schlitzverschlüssen erreicht, die allerdings nicht bei allen Zeiten blitzen können. Schlitzverschlüsse konnten damals maximal mit 1/60s blitzen, selbst heutige Schlitzverschlüsse schaffen minimal 1/500s! Rollei kam 1992 mit der PQS-Serie von Mittelformatobjektiven auf den Markt, die ebenfalls eine 1/1000 s per elektrisch gesteuertem Zentralverschluss beherrschen. Damals wie auch heute noch ein Alleinstellungsmerkmal dieser Serie. Dass eine kleine Sucherkamera aus Japan das schon 30 Jahre früher mit einem mechanischen Verschluss geschafft hat, blieb unerwähnt.

2011-09-22

Nikon J1 und Nikon V1

Hier ist sie also endlich: die lange schon erwartete spiegellose Systemkamera von Nikon. Und Nikon kommt gleich mit zwei Varianten, 4 Objektiven und viel Zubehör und dann noch in vielen fancy Farben. Um es kurz zu machen: Ich bin sehr enttäuscht von Nikon und damit stehe ich nicht alleine. Die meisten Reaktionen, die man seit gestern im Internet lesen konnte waren ähnlich. Nicht, dass ich wirklich mit dem Gedanken gespielt habe, wieder eine Nikon Systemkamera zu kaufen. Aber als alter Nikon-Fan bin ich immer noch begeistert von deren großartigen Kameras aus den 50er bis 80er Jahren und auch die letzten highend DSLRs sind sicherlich noch in dieser Tradition. Was man aber heute als Consumerkameras bezeichnet, das ist meiner Meinung nach von Nikon nicht mehr beachtenswert. Und Nikon hat sich leider auch mit dem neuen System entschieden, genau hier weiterzumachen.  

Sicherlich, technischer Fortschritt ist zu erkennen (zumindest in der Papierform). Insbesondere die Geschwindigkeit von Autofokus und dem Verarbeiten der Bilder in der Kamera sind an vorderster Front. Vielleicht sollte man die Kameras daher eher als Videokameras mit der Möglichkeit auch hochaufgelöste Einzelbilder zu machen betrachten. Aber der Rest von der Kamera? So wie es aussieht: Eine durchschnittliche Edelkompakt halt mit Wechseloptiken. Und was soll das mit dem neuen Sensorformat (13.2 x 8.8 mm), das sonst keiner hat? Die Objektive von "Nikon 1" sind trotz des kleineren Sensors dennoch nicht kompakter als mFT oder Sony-E Linsen! Und zum Ausgleich auch noch lichtschwach! Eine Öffnung von 5.6 ist bei einem Crop-Faktor von 2.7 schärfentiefentechnisch mit f/15 bei Kleinbild zu vergleichen, da braucht man eigentlich kaum noch scharfstellen. An dieser Stelle hör ich auf zu meckern, man muss die Dinger ja nicht kaufen. Es gibt ja genug andere Kamerahersteller, die es besser machen...
Wer mag kann bei DPreview eine lange Liste weiterer enttäuschter Kommentare lesen. Einer der besten dort geht so: Nikon hätte eigentlich nur das Werkzeug für die SP von 2005 aus der Ecke holen müssen, den FF Sensor, Elektronik und Display von der D700, das S-Bajonett behalten und ein paar neue schicke Linsen, fertig wäre der Leica M9-Schreck. Seufz...

2011-09-19

Rollfilm 127


Der kleine Bruder des klassischen 6x6 Rollfilms (120er) heißt Rollfilm 127 und ist statt 6 cm nur 4 cm breit, vom Aufbau (Rückseitenpapier, Spule, etc.) aber fast identisch. Er wurde 1912 schon von Kodak für kleinere KniPPsen (wie die im Hintergrund abgebildete Brownie Starflex) auf den Markt gebracht und erlebte seine Blüte in den 1930er Jahren. Hier mal ein Größenvergleich:
The little brother of the classic # 120 roll film is roll film # 127, which instead of 6 cm (exactly 2.4" = 6.1 cm) is only 4 cm (exactly 4.6 cm) wide. However, the rest of the design (backing paper, coil, etc.) is almost identical. It was launched on the market already in 1912 by Kodak, intended for smaller cameras (like the   Brownie Starflex shown in the background). Usage reached its peak in the 1930s. Here is a size comparison: 


Mit dem Siegeszug des Kleinbildfilms 135 (24x36 mm auf 35 mm breitem Kinofilm) insbesondere in den 1950er und 1960er Jahren gingen die Verkaufszahlen des 127ers immer mehr zurück, auch wenn er ähnlich kompakte Kameras erlaubte und dennoch (wegen der fehlenden Perforation und bei effektiven 38,1 x 38,1 mm) ein um 68% größeres Negativ (oder Diapositiv) erlaubte und damit einhergehend qualitativ hochwertigere Bilder. Leider gab es nur wenige hochwertige Kameras für diesen Film, wie z.B. die Baby-Rollei oder die Yashica 44, die daraus Kapital schlagen konnten. So wundert es nicht, dass Kodak 1995 die Produktion aufgab.
With the advent of the 135 film (24x36 mm on 35 mm wide film), especially in the 1950s and 1960s, the sales figures of the 127 shrank more and more, even it allowed similar compact cameras while having a 68% larger negative. Due to the lack of perforation and effective 38.1 x 38.1 mm2 area it permitted higher quality images. Unfortunately, there were only a few high-end cameras for this film format, such as the Baby Rollei or Yashica 44, which could make use of it. So it is no surprise that Kodak ceased production eventually in 1995.

Bei Fotoimpex kann man immer noch 127er Film kaufen, produziert von Fotokemika in Kroatien und verkauft unter der Efke-Marke. Meinen 127er hier, einen Kodacolor II Farbnegativfilm habe ich neulich auf einem Kameraflohmarkt gefunden. Er war zwar schon 1984 "abgelaufen", aber noch original verpackt, ist also noch unbelichtet. Der Agfacolor CN17 auf der 120er Spule, den ich vor einiger Zeit belichtet in einer Kamera gefunden habe, ist ca. 20 Jahre und eine Filmgeneration älter und damit trotz aller Ähnlichkeit ein schöner Kontrast, oder?
At Fotoimpex you can still buy 127 roll film, produced by Fotokemika in Croatia and sold under the brand Efke. My roll here is a Kodacolor II color negative film, which I recently found in a flea market camera. Although it  "expired" in 1984, it is still in its original carton, still unexposed. The Agfacolor CN17 I've found on a 120 spool partially exposed in an old camera, is about 20 years and a film generation older. Despite all similarity a nice contrast, right?