2011-03-30

Drahtauslöser

Früher, als die Kameras noch groß und schwer waren, die Objektive und Filme lichtschwach und damit die Verschlusszeiten lang, da benutzte man Stative und auch Drahtauslöser. Durch diese flexible Brücke zwischen Hand und Auslöser kann man nämlich relativ erfolgreich unerwünschte Erschütterungen der Kamera und damit Verwacklungen der Aufnahme vermeiden.
Die Kameras wurden mit der Zeit kleiner und leichter, die Filme hochempfindlich und die Objektive lichtstärker, Drahtauslöser und entsprechende Kameraanschlüsse blieben aber noch für eine lange Zeit Teil des Zubehörspektrums. Manch einer wird sich vielleicht gefragt haben, wozu das Gewinde im Auslöser gut ist und nie einen Drahtauslöser benutzt haben. Ich kann es von hier aus nicht genau belegen, ich denke aber der Niedergang des Drahtauslösers beginnt Mitte der 80er Jahre mit dem Aufkommen der ersten vollelektronischen Kameras. Diese besitzen meist einen sog. Touch-Sensor-Auslöser und weil das ein filigraner elektronischer Schalter auf einer Platine ist, war einfach kein Platz für den eh unnötigen Drahtauslöser. Ich hätte fast behauptet, es gibt keine Digitalkameras mit Drahtauslöseranschluss, aber da habe ich die Rechnung ohne die Leica M8 und M9 gemacht, die nicht nur an dieser Tradition festhalten. Auch die seltene Epson R-D1 hat einen (Wenn man länger sucht findet man vielleicht noch die eine oder andere. Wenn bekannt, bitte als Kommentar anfügen!)

Die meisten Kameras besitzen übrigends das sog. ISO-Gewinde (Bild links), ein Loch mit Gewinde im Auslöserknopf. Der Stift innerhalb des Drahtauslösers betätigt den eigentlichen Auslöser unterhalb des Knopfes. Es gibt aber noch eine andere Form, die sogenannte Leica-Glocke (Bild rechts). Hierbei gibt es ein Gewinde rund um den Auslöser und der Stift drückt den Auslöseknopf selbst herunter. Einige wenige Kameras besitzen beide Anschlüsse gleichzeitig und ich bin in der glücklichen Lage eine davon zu besitzen. Nur wenige Kamerahersteller haben das mit den Schraub-Leicas eingeführte Außengewinde benutzt, Leica selbst ist schon 1954 mit der Einführung der M3 auf den ISO-Anschluss umgeschwenkt. Als einziger großer Kamerahersteller hat meines Wissens Nikon die Leica-Glocke noch lange verbaut (Nikon F und F2), spätere Modelle besitzen beide Drahtauslösergewinde. Erst 1979 mit der Nikon EM und 1982 dann mit der F3 wurde die Leica-Glocke auch bei Nikon endgültig ins Museum geschickt.

2011-03-26

Impossible PX-600 Silver Shade


Am letzten Wochenende war ich in Manhattan auf Fotopirsch, um die Polaroid 660 Autofocus (Danke Astrid!) und den dafür neu erstandenen Filmpack PX-600 Silver Shade auszuprobieren. Leider musste ich feststellen, dass an der Kamera der Blitz nicht mehr funktioniert, so dass nur noch Außenaufnahmen bei gutem Wetter infrage kamen. Natürlich hatte ich auch meine "normale" Kamera für Vergleichsfotos dabei...


Ich hatte mich natürlich auf der Website des "Impossible Project" eingelesen und ich wusste theoretisch, was mich erwartet. Der Film ist a) temperaturempfindlich und b) immer noch sehr lichtempfindlich, wenn er die Kamera verlässt. Die Website bietet hier immerhin neben den Warnungen dazu ein paar Tips und Tricks. Die Bedingungen an diesem Morgen in New York waren für meine Experimente nicht ganz perfekt. Es war relativ kalt, so ca. 5 ° C, in der Sonne heizten sich dunkle Gegenstände aber schnell auf, also auch die Kamera. Außerdem war es relativ hell, zumindest in der Sonne. 

Meine Beispiele belegen ganz klar den Experimental-Status des Films. Wenn er Software wäre bekäme er höchstens eine Versionsnummer 0.2 mit viel Potential für Verbesserungen. Ich hatte schon nach den ersten Aufnahmen das Gefühl, dass sehr viel vom Zufall abhängt, wie das Bild wird.  Die endgültige Bildfarbe variiert zwischen rotbraun über sepia, neutralgrau bis hin zu bläulichen Stellen, selbst innerhalb eines Bildes. Ich galube hier kommt es auf die Temperatur bei Belichtung und Entwicklung an. Ich habe die meisten Bilder direkt nach dem Knippsen zunächst für ca. 1 Minute gegen den Bauch gedrückt und mit der Hand von der Rückseite her gewärmt, dann vorsichtig geläuert (im Schatten der Jacke) und schließlich in der warmen Hemdbrusttasche fertig entwicklen lassen. Der Fleck in der Mitte oben in den meisten Bildern entsteht dadurch, dass die Entwicklerpaste dort nicht hingelangt. Auch darauf wird auf der Website hingewiesen ("kann mal vorkommen"). Bei mir hatte nur ein Bild keinen solchen Fleck! 
Das Bild vom Pferd habe ich leider nicht nochmal mit der anderen Kamera nachstellen können, ich war nicht schnell genug. Bei diesem habe ich hier nach dem Scannen noch digital nachgeholfen und Farbe, Kontrast und Helligkeit optimiert. ich denke, dann geht's. Mein Fazit: Eigentlich eine schöne Spielerei, wenn sie nicht so teuer wäre. Man braucht vermutlich etliche Versuche, um ein Gefühl für den Film zu bekommen. Die Originale wirken schon noch ein bisschen besser als ich hier mit den Scans darstellen kann. Trotzdem glaube ich nicht, dass ich das mit dem Silver Shade nochmal wiederholen werde. Der Farbfilmpack PX-70 Color Shade interessiert mich noch für meine SX-70, aber das wird vermutlich Sommer werden, mal sehen.

2011-03-22

Agfacolor Neu

Das sind Gustav Wilmanns und Wilhelm Schneider, beides Chemiker im Dienste der I.G. Farben, die damals alle Foto-Aktivitäten unter dem Dach ihrer Abteilung Agfa gebündelt hatte. Wilmanns war seit 1922 Leiter der Fabrikationsabteilung Foto im Werk Wolfen (Kreis Bitterfeld) und seit 1928 auch für das wissenschaftliche Zentrallabor der Agfa dort zuständig und damit auch Schneiders Chef. Wilhelm Schneider arbeitete dort seit 1929 an der Weiterentwicklung von Schwarzweißfilmen, insbesondere an Lichthofschutzschichten. Er entdeckte 1932, dass Farbstoffe unauswaschbar in Gelatineschichten eingebracht werden können, wenn sie chemische Gruppen haben, die aus der Baumwollfärberei bekannt waren. Damit hatte er ansatzweise ein 20 Jahre altes Problem gelöst, welches die technische Umsetzung von Rudolf Fischers Erfindung des chromogenen Mehrschichten-Farbfilms bis dahin verhinderte.
These are Gustav Wilmanns and Wilhelm Schneider, both chemists working for IG Farben, which had then pooled all their photo activities under the umbrella of its department Agfa. Since 1922 Wilmanns was head of the manufacturing department at the photo site ("Filmfabrik") Wolfen (district Bitterfeld, Germany) and since 1928 in addition responsible for the central scientific laboratory of  Agfa and Schneider's boss. Since 1929 Wilhelm Schneider's main task was the development of black and white films, especially he worked on anti-halation backings. In 1932 he discovered  that specific dyes mixed into gelatin layers can't be washed out if they carry chemical groups that were known from cotton dyeing. With that he almost solved a 20 year old problem, which prevented the technical implementation of Rudolf Fischer's invention of the chromogenic multilayer color film
Wilmanns und Schneider meldeten ihre Idee am 11. April 1935 zum Patent an (DRP 746135) und wurden  nur wenig später vom Kodachromefilm überrascht, der am 15. April in Amerika auf den Markt kam, das Problem der unerwünschten Farbstoffdiffusion aber anders löste. Dennoch kam es in der folgenden Jahren zu einem Wettrennen zwischen dem Wolfener Team, welches auf über 50 Mitarbeiter erweitert wurde und dem in Rochester (vermutlich ähnlich groß). Auch gegen das Patent legte Kodak Einspruch ein, der mit einem Vergleich beendet wurde und zur Folge hatte, dass es  erst am 23.12.1943 erteilt wurde. Ein zweites Patent (DRP 725872 vom 8. August 1935) beschreibt eine nochmals verbesserte Verhinderung der Diffusion und legte die Grundlage für den "Agfacolor-neu" Film. 
Abbildung aus "Filmherstellung", Broschüre der VEB Filmfabrik Wolfen (ORWO), DDR 1981
On April 11th, 1935 Wilmanns and Schneider filed for a patent (DRP 746 135).  Only a few days later they were overtaken by the Kodachrome film, which was launched on the market in the US on April 15th. However, it solved the problem of unwanted dye diffusion quite differently. It's easy to imagine that this was the starting point of a scientific and commercial race between the Wolfen team and the group in Rochester. For the following years Willmann's group grew to over 50 employees and probably the Rochester had a similar size. The battle was even fought on the legal field. Kodak laid an objection against the Agfa patent that ended with a settlement and had the consequence that it was granted not before December 23rd, 1943. A second patent ( DRP 725872 dated August 8, 1935 ) describes a further improvement in preventing the diffusion and laid the foundation for the "Agfacolor Neu" film. 
Figure from "film production", brochure of VEB Filmfabrik Wolfen (ORWO), GDR 1981

Agfa realisierte mit den diffusionsfesten Farbkupplern als erste Firma Rudolf Fischers Idee, mit nur einem Farbentwickler in allen drei Farbschichten gleichzeitig die benötigten Farbstoffe zu bilden. Daraus resultiere ein relativ einfaches Entwicklungsverfahren, welches mit lediglich 5 Schritten zu einem Diafilm gelangt im Gegensatz zum Kodachrome mit seinen 27 Prozessstufen. Die Diffusionsfestigkeit resultierte aus den langen Alkyl-Seitenketten, die die Farbkuppler tragen. Schneider und seine Kollegen erklärten den Effekt damals mit dem Verhaken der langen Ketten mit den Polymerstrukturen der Gelatine. Heute weiß man aber, dass die Farbkuppler durch die langen Schwänze Mizellen bilden, die allein durch ihre Größe  eine verminderte Diffusionsgeschwindigkeit besitzen. Nun ja, hauptsache es funktionierte. 
Im Frühjahr 1936, also vor nun 75 Jahren wurden die ersten erfolgreichen Betriebsversuche unternommen, einige Fotografen verwendeten den neuen Film testweise bei den Olympischen Spielen im August in Berlin, auch wenn die Empfindlichkeit von nur ca. 7/10°DIN (heute: 5 ISO) keine Bilder von sich bewegenden Sportlern erlaubte. Im November 1936 kamen die ersten Kleinbildpatronen auf den Markt (für 3,60 RM, also 10 Pfennig pro Aufnahme). In den nächsten Jahren wurden (wie auch bei Kodak) Verfahren und Rezeptur noch weiter optimiert. So gelang 1938 durch den Zusatz von etwa 10µg Goldrhodanid (AuSCN) pro Film die Empfindlichkeit auf nun 15/10°DIN (25 ISO) zu steigern. 
Das Agfacolor-Verfahren wurde natürlich technisch noch weiterentwickelt und angeblich von 278 Patenten geschützt. Mit dem Ende des 2. Weltkriegs 1945 wurden die Agfacolor Rezepte veröffentlicht und das Verfahren auch für andere Hersteller freigegeben. Viele Firmen wie Adox, Ferrania, Fuji, Gevaert, Konica, Tellko, Valca produzierten danach. Hier kann man einige der erhältlichen Filmschachteln bewundern. Kodak benutzte das Agfacolor-Verfahren nie, denn sie hatten schon 1937 eine weitere technische Lösung gefunden, das Diffusionsproblem mit den Farbkupplern zu vermeiden und 1941 einen entsprechenden Film dem amerikanischen Militär zur Verfügung gestellt. Doch dazu demnächst hier mehr...


With this new color-couplers Agfa realized more or less exactly what Rudolf Fischer had in mind: Just one color developer was used for all three color layers at the same time to generate the desired dyes. This results of course in a  relatively simple film processing, which comprises only 5 steps to generate a positive image (reversal film), in contrast to the Kodachrome process with 27 steps. The diffusion resistance was due to the long alkyl side chains attached to the color couplers. Schneider and his colleagues at the time explained the effect with the entanglement of the long chains with the polymer structures of the gelatin. Today it is known, however, that the color coupler by their long tails form micelles, which by their mere size have a reduced diffusion rate. Well, as long as it works... 
During spring of 1936 the first successful pilot plant trials have been made. Some photographers used the new material on a trial basis at the Olympic Games in Berlin in August, although the sensitivity of only about 7/10 °DIN (today: 5 ISO ) didn't allow images of moving athletes. In November 1936, the first 135 cartridges were launched on the market (for RM 3.60, which is 10 Pfennig per shot). In the coming years, as did Kodak Agfa optimized method and recipes even further. E.g. in 1938 it was possible to increase the sensitivity to 15/10 °DIN (today: 25 ISO) by the addition of about 10 μg Gold Rhodanide (AuSCN) per film.

The Agfacolor process of course has been continuously improved over time and supposedly was protected by 278 patents. With the end of WWII in 1945 the Agfacolor methods and recipes were declared public domain. Many companies such as Adox, Ferrania, Fuji , Gevaert , Konica , Tellko, and Valca adopted the procedures. Here you can see some of the available film boxes. Kodak never used the Agfacolor method, as in 1937 they found another technical solution to avoid the diffusion problem with the color couplers. A corresponding film has been provided to the U.S. military in 1941. However, this is the topic of part no. 4 of this series, coming soon.


Die anderen Teile dieser kleinen Geschichts-Serie...
Other parts of this little history series... 
1) Invention of the modern multilayer color film - 100 Jahre moderner Farbfilm
2) Kodachrome 
3) Agfacolor Neu
4) Ektachrome and Kodacolor

2011-03-17

Mein erstes Sofortbild

Ich muss zugeben: Früher war Sofortbildfotografie für mich etwas für absolute fotografische Laien, Menschen, die einfach nicht auf ihr Foto warten wollen (warum eigentlich nicht?) und daher auf Qualität verzichten, dafür noch viel Geld ausgeben und trotzdem am Ende nur ein 8x8 cm großes Foto bekommen, das vielleicht sogar unscharf, verwackelt oder falsch belichtet ist. Außerdem waren die meist aus Vollplastik bestehenden Sofortbildkameras mit einfachen Objektiven und eigentlich keiner Möglichkeit irgendwelche Einstellungen vorzunehmen für mich als Fotofreak höchst unatraktiv.
Dennoch muss ich eingestehen: So ein Sofortbild hat seinen eigenen Charme. Es ist immer ein Unikat, man kann keine (genauso aussehenden) Duplikate machen, der autentischste Schnappschuss halt. Viele Künstler haben damit experimentiert und jeweils kleine Kunstwerke geschaffen. Und da kann man verstehen, dass es einen großen Aufschrei gab, als Polaroid am 17. Juni 2008 seinen letzten Film im letzten verbliebenen Werk in Enschede produziert hat
Aber die Geschichte geht weiter und vielleicht sogar gut aus für das analoge Sofortbild (trotz digitaler sofort auf dem Display und auf facebook-Fotografie). Ein paar Entusiasten gründen "The impossible Project", kaufen die alten Maschinen von Polaroid, mieten einen Teil des alten Gebäudes in Enschede und stellen ein paar der alten Polaroid-Mitarbeiter wieder ein. Es wird zusammen mit Ilford (eigentlich Harman Technolgy) in England ein neuer Film entwickelt, den es seit Ende 2009 zu kaufen gibt. Er ist Schwarz-Weiß (eigentlich Sepia) und man kann ihn in fast allen alten Pack-Kameras verwenden.
Auch mein Ehrgeiz war nun angestachelt. Die erste Polaroid-Kamera in meiner kleinen Sammlung habe ich schon vorgestellt, sie benötigt Rollfilm, den es wirklich nicht mehr gibt. Dann bekam ich vor einem Monat eine Polaroid 660 Autofocus geschenkt, und am Sonntag habe ich auf einem kleinen Fotoflohmarkt eine SX-70 OneStep Sonar für 25$ erstanden. Auf dem Heimweg hatte ich Glück in einem Fotoladen noch den Filmpack PX600 Silver Shade (8 Bilder, auch 25$, leider!) zu finden. Damit war alles zusammen und jetzt heißt es sorgfältig überlegen, wann und wo ich auf den Auslöser drücke (bei den Bildpreisen). Wenn sie was werden, zeige ich hier also demnächst weitere Bilder, auch wenn sie eingescannt nicht halb so gut wirken wie im Original. Auch zu den Kameras poste ich natürlich noch was...

2011-03-13

Georg Eastman

Heute vor 79 Jahren starb George Eastman. Grund genug, an diesen Fotopionier und Unternehmer zu erinnern, der vor allem anderen die Fotografie zu einem Massenprodukt gemacht hat. Jedermann, so seine Vision, sollte in der Lage sein, eigene Fotos zu machen. Er wollte dabei mit seinem Unternehmen (nicht ganz uneigennüzig!) helfen und sein Slogan lautete daher: „You Press the Button, We Do the Rest“ und er war dabei sehr erfolgreich.
Gestorben ist er übrigends im Alter von 77 Jahren durch eigene Hand, nachdem ein Rückenmarksleiden ihm immer größere Schmerzen  bereitete und er nicht auf die Pflege anderer angwiesen sein wollte. Er konnte als echter Selfmade-Millionär aus einfachsten Verhältnissen auf ein großes Lebenswerk zurückblicken und hatte in seinen letzten Jahren viel von seinem Vermögen an wohltätige, wissenschaftliche und kulturelle Zwecke gespendet. George Eastman war nicht verheiratet und hinterließ keine Kinder. Seine Asche wurde im Kodak-Park auf dem Gelände seiner Firma in Rochester, NY beigesetzt.
Viele Menschen halten George Eastman für einen großen Erfinder und er hat nachweislich auch einige wichtige Patente angemeldet und dann auch erfolgreich vermarktet. Sein größtes Geschick bestand aber darin, die Ideen und Erfindungen anderer zu erkennen, diese abzukaufen und zu seinem Nutzen und im Sinne seiner unternehmerischen Vision zu nutzen. Im Alter von 25 Jahren wechselt er in die Fotobranche und meldet ein erstes eigenes Patent an (US 226,503), ein Verfahren zur Herstellung von Trockenplatten, und gründet auf dessen Basis zusammen mit einem Investor seine Firma. 1884 kauft er dann Wiliam Walker für 40,000$ die Idee zum Rollfilm (zunächst noch auf Papierbasis) ab, stellt ihn ein und schickt ihn später als Auslandsvertreter nach London. Den transparenten Film auf Zelluloidbasis hat er auch nicht selbst erfunden. Hierzu heuerte er den Chemiker Henry M. Reichenbach an, der aber zusammen mit Eastman erleben musste, wie der Prediger Hannibal Goodwin dieselbe Idee schon zwei Jahre früher hatte. Eastman zahlte später 5 Millionen $ an den Konkurrenten Ansco (Rechteinhaber des Goodwin-Patents) als Entschädigung für die Patentverletzung, denn Eastman ließ schon fleißig produzieren. 

Auch die legendäre Kamera "Kodak No. 1", die dem Unternehmen später ihren Namen geben sollte, ließ er von Frank A. Brownell konstruieren. Eastman kaufte sich die Dienste von Brownell zusammen mit dessen Unternehmen. Immerhin hießen viele einfache Kodak-Kameras später liebevoll Brownie.  Die Kodak No. 1 diente zunächst einzig dem Zweck, Eastmans Rollfilm unter die Leute zu bringen. Sie wurde inklusive Film (denn der musste in Dunkelheit ge- und entladen werden!) für 25$ verkauft, die Kunden brachten den Apparat zu Eastman zurück und erhielten ihn mit einem neuen Film geladen und den Abzügen für 10$ jeweils zurück. Den sogenannten "Daylight Loading Film", also den Rollfilm mit dem vor Licht schützenden Rückseitenpapier hat S.N. Turner, ein Kamerahersteller aus Boston, erfunden. Seine Firma sowie weitere Rechte an der Film Verpackung von Parker B. Cady kaufte Eastman kurzerhand und schlachtete auch diese Erfindungen aus. 
Und so geht es auch nach dem Tode von George Eastman weiter. Seine Nachfolger schaffen es ebenfalls, rechtzeitig kleinere Firmen zu kaufen, bevor diese zu Konkurrenten werden können oder sich die Dienste von pfiffigen Erfindern (z.B. Leopold Godowsky und Leopold Mannes) zu sichern. Diese Unternehmensphilosophie half Kodak auch, den Untergang der analogen ("Film")-Fotografie als Unternehmen zu überleben. Neben der deutlich jüngeren und heute doppelt so großen Fujifilm (1934-heute) ist Kodak der einzige der ehemals großen Foto- und Filmkonzerne, die noch am Markt sind. Andere frühere große Konkurrenten haben das nicht geschafft. Hier ein paar Namen: Ansco (1842-1980), Agfa (1867-2005) , Gevaert (1894-1964), Konica (1873-2006), NPG (1894-1948), Polaroid  (1937-2001) und andere. Herzlichen Glückwunsch Eastman Kodak! Zumindest den Namen "Kodak", einer der ersten strategisch gewählten Kunstnamen für eine neue Marke, hat George Eastman selbst erfunden, obwohl...auch hier gab es Streit!

2011-03-08

Nahlinse Nikon No. 2

Makrofotografie ist ein faszinierendes Gebiet und wenn man erste Versuche machen will, dann steigt man nicht ein, indem man ein spezielles Makro-Objektiv oder gar ein Balgengerät kauft. Der einfachste Weg zu guten Makrofotos ist die Nahlinse. Ich habe auch damit angefangen, allerdings habe ich meine erste Nahlinse nicht mehr, warum auch immer. Irgendwann (1988?) habe ich mir diese originale Nikon-Linse gekauft, sie hat das Standard-Nikon Filtergewinde von 52 mm und passte damit auf die Mehrheit meiner damaligen Objektive.
Nikon hat mehrere Nahlinsen im Programm, gibt aber nicht wie sonst üblich ihre Brechkraft (wie bei Lesebrillen) an, sondern hat einfach von 0 beginnend hochgezählt. Diese hier hat eine Brechkraft von 3 Dioptrien, also eine Brennweite von 33,3 cm. Das bedeutet, dass aufgeschraubt auf's Objektiv  Objekte in genau dieser Entfernung scharf abgebildet werden, wenn das Objektiv auf unendlich steht. Mit meinem 50 mm Normalobjektiv ergibt sich dann ein Abbildungsmaßstab von 0.15, d.h. es wird ungefähr eine DIN-A5 Seite abgebildet. Man kommt natürlich noch näher ran, wenn man wie gewohnt fokussiert. Mit dieser Linse und meinem Nikkor 35-70 f3.3-4.5, welches von Hause aus schon eine Makrofunktion mitbringt, konnte ich richtig in die Mikrowelt eintauchen. Und das für wenig Geld.

2011-03-02

Agfacolor, unmaskiert

Dieses Farbfoto wurde Ende Januar 1969 aufgenommen (im südafrikanischen Sommer) und zeigt mich selbst (weiße Badehose) mit zwei befreundeten Kindern beim Planschen. Vermutlich hat mein Vater dieses Foto mit seiner Exa II auf Agfacolor CN17 gemacht, dem damaligen Universal-Farbfilm. Jedenfalls sprechen viele Indizien dafür: 
1) Ich habe das Foto neben ein paar anderen in dieser Tüte gefunden:

Spätere Agfa-Tüten waren orange und bewarben namentlich den Agfacolor CNS, den Nachfolger des CN17.
2) Die Farben auf dem Foto sprechen für einen unmaskierten Farbnegativfilm, dazu unten mehr. 
3) Der (maskierte) Agfacolor CNS kam 1968 in Deutschland auf den Markt. Es ist allerdings zu bezweifeln, dass mein Vater diesen im Januar 1969 in Namibia schon kaufen konnte.
Doch wie ist das nun mit der Farbmaske und den charakteristischen Farben unmaskierter Farbfilme? Farbnegativfilme verwenden bekanntermaßen drei übereinanderliegende Schichten mit den drei Farbstoffen Yellow, Magenta und Cyan aus denen sich per subtraktiver Farbmischung für unser Auge jede andere Farbe mischen läßt. Da es ein Negativfilm ist enthält die blauempfindliche Schicht des Films nach der Entwicklung den gelben Farbstoff, die grünempfindliche Schicht den Magenta Farbstoff und die rotempfindliche den Farbstoff Cyan (also jeweils ihre Komplementärfarben).
Jetzt ist es aber leider so, dass reale Farbstoffe zusätzlich zu ihrem Hauptabsorptionsmaximum, welches ihre Farbe bestimmt auch noch Licht in anderen Teilen des Spektrums absorbieren. Das sind die sogenannten Nebendichten, die besonders bei Magenta und Cyan auftreten und quasi das Yellow verschmutzen. Für eine einigermaßen korrekte Farbwidergabe sorgten die Fimhersteller dafür, dass zumindest das Grau als Mischung aller drei Grundfarben einigermaßen neutral wiedergegeben wird. Das führte bei den Farbnegativfilmen bis zum Ende der 60er Jahre zu den charakterisitschen Farbverschiebungen (eben wegen der Nebendichten): Gelb wurde ganz ordentlich wiedergegeben, blau etwas zu dunkel aber korrekt, grün und rot waren stets leicht bräunlich. Das änderte sich dann mit den Farbmasken, die ab Anfang der 70er Jahre sich mit den neuen Kodacolor und dem Agfacolor CNS schnell durchsetzen konnten, den Nebendichten entgegenwirken und für eine natürliche Farbwidergabe sorgen. Charakteristisch für maskierte Farbnegativfilme ist das orange-bräunliche Negativ, wie das genau funktioniert, kann man z.B. hier nachlesen. Wer möchte, kann Farbe bequem am Computer mischen und den Effekt der Nebendichten selbst ausprobieren.