2011-07-29

Infrarotfotografie

Ich habe in meinem Leben als Fotoamateur schon so einiges ausprobiert. Etwas sehr interessantes, was man nicht alle Tage macht, ist sicher die Infrarotfotografie.  In der Zeit vor der Digitalfotografie brauchte man dazu speziellen Film, ich habe vor ca. 25 Jahren die ersten Experimente mit dem Kodak 2481 Film gemacht, ein Schwarz-Weißfilm, der neben seiner Empfindlichkeit für sichtbares Licht (das menschliche Auge kann Licht mit Wellenlängen zwischen ca. 380 und 780 nm sehen) auch empfindlich für Wellenlängen bis ca. 900 nm ist. Um auf die Fotos später nur das von den Dingen reflektierte Infrarotlicht zu bannen, muss man erst das normale Licht aussperren. Das macht man mit einem Infrarotfilter, in meinem Fall ein HOYA R72. Da dieser Licht erst ab ca. 720 nm durchlässt, verbleibt dem menschlichen Auge nur die Lücke bis 780 nm und der Filter wirkt dementsprechend in der Durchsicht tief rot, immerhin kann man noch ein bisschen was sehen, sodass man zumindest bei einigermaßen guter Beleuchtung durch den Sucher der Spiegelreflexkamera noch was sieht.
Obwohl kaum noch normales Licht durchkommt, ist man beim Fotografieren mit dem Film erstaunt über die kurzen Verschlusszeiten, man sieht ja die Menge des Infrarotlichts nicht. Bei der Belichtung muss man sich auf die Faustregeln im Datenblatt des Filmherstellers verlassen, zum Glück hat das Ding einen recht großen Belichtungsspielraum.  Obiges Foto habe ich ca. 1987 mit meiner Nikon FE2 gemacht, man erkennt sehr schön die charakteristischen fast weißen Blätter der Bäume (Chlorophyll reflektiert sehr viel IR) und einen fast schwarzen Himmel mit weißen Wolken.
Beim Fotografieren muss man außerdem beim Scharfstellen beachten, dass Infrarotlicht von Linsen anders gebrochen wird als der sichtbare Teil des Spektrums. Früher hatten viele Objektive einen kleinen roten Punkt (siehe Bild oben!) als Orientierungshilfe zum Scharfstellen bei der Infrarotfotografie. Wieviele Fotografen haben sich wohl ihr Leben lang gefragt, was der wohl zu bedeuten hat...

Heute im Digitalzeitalter ist Infrarotfotografie viel einfacher geworden, man braucht keinen besonderen Film mehr. Die Sensoren der Digitalkameras sind per se empfindlich für IR-Licht, allerdings besitzen die meisten Digitalkameras vor dem Sensor einen Filter, der zugunsten besserer Qualität den größten Teil davon wieder rausfiltert (genau: hier spielt wieder die unterschiedlichen Fokussierebenen eine Rolle, s.o.).  Man kann bei einigen Digitalkameras diesen Filter entfernen (lassen), aber auch einfach ausprobieren, was die Kamera auch so kann. Ich habe also meinen HOYA-Filter auf meine kleine Olympus PEN E-PL1 geschraubt und aus der Hand folgende Aufnahme gemacht:
Umwandeln in SW ergibt folgendes Bild. Man sieht, dass die Blätter noch nicht ganz weiß werden und der Himmel noch nicht ganz schwarz, aber die Tendenz stimmt. Ich werde noch ein paar mehr Tests machen (auch mit anderen Digitalkameras) und berichten. Im Netz findet man übrigends einen Haufen IR-Fotos, darunter auch ganz tolle mit falschen Farben etc. Es lohnt sich ein bisschen zu stöbern.

2011-07-25

Kodak Brownie Starflex

Eine "Brownie" Kamera darf in meiner kleinen Sammlung natürlich nicht fehlen. Diese hier ist sogar eine zweiäugige Spiegelreflexkamera, die bis auf den wirklich hellen Sucher alle Merkmale einer Einfachstkamera mitbringt, und solche waren alle Brownies. Über 100 verschiedene Kameramodelle von Kodak tragen den Namen Brownie, gebaut wurden sie vom Februar 1900 an ("The Brownie") bis in die Mitte der 1960er Jahre, da wurden sie dann von den Instamatic Kameras abgelöst. 

Der Name Brownie soll angeblich von der britischen Sagengestalt gleichen Namens abgeleitet worden sein, etwa vergleichbar mit den deutschen Heinzelmännchen. Interessanteweise hieß Georg Eastman's erster (wie man heute sagen würde) Kameradesigner Frank A. Brownell. Alle Brownie Kameras waren Kameras für die Masse und verzichteten weitesgehend auf hohe technische Rafinesse. Kodak hat damit den Massenmarkt billig versorgt und natürlich das große Geschäft mit den Filmen gemacht.
Das Modell Starflex benutzte 127er Rollfilm. Der kleine Bruder des klassischen 120ers erlaubte 12 Negative oder Dias im Format 4x4 cm (1 5/8"x1 5/8"), in anderen Kameras waren auch 6.5 x 4 cm oder 4x3 cm realisiert. Damit konnten relativ kompakte Kameras gebaut werden und es gibt nicht wenige 4x4-Modelle, die einfach als Miniaturausgaben ihrer großen 6x6-Schwestern daherkommen. Kodak und auch die meisten anderen Filmhersteller haben die Produktion des 127er Films um 1995 eingestellt. Heute muss man schon Spezialgeschäfte wie die deutsche Fotoimpex bemühen, um noch die eine oder andere Rolle zu ergattern. Wer weiß wie lange das noch geht, die 126er Instamatic-Kassette, eigentlich der 127er Nachfolger, ist momentan jedenfalls nicht mehr zu bekommen.
Trotz ihrer Einfachheit ist die Starflex eine solide Kamera, die von Anfang 1958 bis 1963 gebaut wurde. Mein Modell mit dem CAMEROSITY Code CMRS stammt aus den letzten Wochen des Jahres 1957 und funktioniert noch einwandfrei. Viel kann an dem Ding auch nicht kaputt gehen, der Rotationsverschluss macht nur eine Verschlusszeit (ca. 1/50 s), zwei Blendenöffnungen ("13" und "14") konnten gewählt werden, eine für den empfindlicheren Schwarzweißfilm, die andere für Farbfilme. Scharfstellen brauchte man auch nicht, alles von 5' (1.5 m) bis unendlich wurde leidlich scharf abgebildet. Halt was so ein einfaches Objektiv eben hergibt.
Ein paar nette Features hatte die Kamera doch: Der Verschluss konnte erst nach dem Filmtransport wieder betätigt werden, bei einem Rotationsverschluss, der nicht aufgezogen werden muss, nicht selbstverständlich! Der Filmtransport erfolgt recht umständlich mit einem Rad auf der Unterseite der Kamera. Dort kann man auch den einfachen "Sportsucher" ausklappen und muss nicht den seitenverkehrten Spiegelsucher benutzen. Genial kann man das Blitzkonzept bezeichnen. Das Blitzgerät wird seitlich angeschraubt, gleichzeitig kuppeln die elektrischen Kontakte, kein Kabelstecken mehr. Das Blitzgerät ist gleichzeitig auch ein recht brauchbarer Handgriff und ich denke, dass die meisten diese Kombination nie auseinanderschraubten.
Wer noch mehr über Brownie-Kameras lesen will, dem seien folgende Web-sites empfohlen: Chuck Baker's Brownie Camera Page und Remy Steller's Brownie Collection.

2011-07-10

Panoramas mit ICE 1.4.4


Ich bin ein absoluter Panorama-Fan und benutze schon lange Arcsoft's Panoramamaker 3.0, ein für das digitale Zeitalter uraltes Programm von 1999, welches ich als Zugabe auf der Software-CD zur Nikon Coolpix 4300 gefunden hatte. Dass das sog. Stichen eine aufwändige Angelegenheit ist, kann man sich vorstellen, manche Panoramen, insbesondere solche mit vielen und großen Bilddateien brauchen ihre Zeit. Selbst bei schnellen Rechnern kann man sich zwischendurch auch mal einen Kaffee kochen gehen. Ich persönlich mache fast alle Panoramen aus der Hand und die Software hat es meist verziehen und nur wenige Artefakte erzeugt, die man dann meist durch das mauelle Setzen von Ankerpunkten wieder wegbekommt. Aufwändig, aber es geht. Es soll aber auch Software geben, die noch langsamer und aufwändiger ist und für perfekte Ergebnisse auch fast perfekte Vorlagen verlangt, so mit Panoramaknopf auf einem per Wasserwaage ausgerichteten Stativ und so. Das wär alles nichts für mich.

Jetzt gibt es aber seit Mai von Microsoft den Image Composit Editor (ICE) 1.4.4, eine frei verfügbare und benutzbare Software (download hier) ohne jegliche Einschränkungen (auch was die Größe der Panoramen angeht!). Deren Bedienung und auch Performance hat mich echt vom Hocker gerissen. Selbst auf meinem kleinen Netbook mit seinen recht bescheidenen Rechenleistungen ist ein Pano ruck-zuck fertig. Man zieht einfach (unsortiert!) die Bilddateien auf die Programmoberfläche und schon gehts los. Bisher ist mir noch kein Artefakt oder Fehler aufgefallen und auch sonst kann das Ding alles, was man für (Freihand-)Panos braucht, z.B. eine Perspektivkorrektur etc. Ich werde mich in nächster Zeit damit noch mehr befassen und ausprobieren.

2011-07-08

Aires 35-V


Als ich diese Kamera vor ein paar Wochen bei einem Trödelhändler fand war ich erst ziemlich unsicher, ob ich sie für meine Sammlung kaufen sollte. Denn von der Marke Aires hatte ich vorher noch nie etwas gehört. Aber für 15$ konnte ich kaum was falsch machen, außerdem schien mir die Kamera sehr solide. Zuhause habe ich dann natürlich gleich recherchiert und festgestellt, was für ein Schnäppchen ich da gemacht hatte. Die Aires 35-V ist eine grundsolide Messsucherkamera mit Wechselobjektiven und einem eingebauten (nicht gekoppelten) Belichtungsmesser. Das Standard-Objektiv ist ein lichtstarker 7-Linser f1.5/4.5 cm (es gab auch ein schwächeres f1.9/4.5 cm). Aires baute als Wechselobjektive ein f3.2/35 Weitwinkel und ein f3.5/10 cm Tele.


Die Kamera kam 1958 auf den Markt und war die erste (und letzte) Systemkamera der noch jungen Kameraschmiede K.K. Aires Shashinki Seisakusho, die bisher nur zweiäugige Rolleiflex-Nachbauten und eine Serie von Kleinbild(mess-)sucherkameras angeboten hatten. Letztere orientierten sich an den großen deutschen Vorbildern Voigtländer Bessa, Contax und natürlich Leica. (Die Aires 35-IIIC  orientierte sich im Design mit den abgerundeten Ecken an der neuen Leica M3). Mit der 35-V und der Objektivserie wollte Aires wohl den Sprung zu den großen der Branche schaffen und hat sich wohl daran übernommen. Die Kamera kam 4 Jahre nach der großartigen Leica M3 auf den Markt und auch noch 1 Jahr nach der Nikon SP, die viele für die ultimative Messsucherkamera überhaupt halten. Damit hatte die Messsucherkameras ihren Zenit überschritten, 1959 brachte Nikon mit der F "die" Spiegelreflexkamera und die kleine Firma Aires versuchte es mit ihrer ersten Systemkamera, dazu auch noch mit einem Zentralverschluss hinter dem Objektiv. Das war wohl zuviel auf einmal und der Markterfolg blieb aus. Man versuchte es noch mit einer SLR mit festeingebautem Objektiv, aber 1962 war schluss, Aires war pleite und verschwand vom Markt.

Die Kamera selbst hat (fast) alles, was eine klassische Messsucherkamera braucht. Der Blick durch den hellen kombinierten Sucher zeigt den Ausschnitt des 35 mm Weitwinkels, helle Leuchtrahmen markieren die 45 mm und 100 mm Ausschnitte, auch Paralaxenmarkierungen sind da. Der Messsucher funktioniert auch bei meiner Kamera noch, er ist allerdings nur sehr schwer zu erahnen und kommt auf dem Foto nicht rüber. Fokussiert wird an der Kamera und nicht an den Objektiven selbst, auf dem Foto oben kann man den in den drei Einstellungen rotieren Ring für die Tiefenschärfeskala erkennen. Die Objektive werden mit einem speziellen Bajonett angflanscht.
Der Zentralverschluss (Seikosha MX) sitzt hinter dem Objektiv und man kann ihn daher kaum noch als solchen bezeichnen. Die Zeitenskala ist noch die tradionelle Serie, die viele Zentralverschlüsse verwendet haben (1-2-5-10-25-50-100-200-400). Leider ist der eingebaute Belichtungsmesser nicht gekoppelt. Wenn das der Fall gewesen wäre, dann -wer weiß- wäre Aires vielleicht erfolgreicher gewesen...

Datenblatt Messsucherkamera mit Wechselobjektiven und eingebautem Belichtungsmesser
Objektiv Wechselobjektive mit Aires Bajonett. Verfügbar: 1.5/45, 1.9/45, 3.2/35, 3.5/100
Verschluss Mechanischer Zentralverschluss hinter den Objektiven(Seikosha MX) mit 1 bis 1/400 s und B. Blitzsynchronisation (M, X umschaltbar) mit allen Zeiten möglich.
BelichtungsmessungEingebauter Belichtungsmesser mit Selenzelle, nicht gekoppelt. Erweiterbarer Messbereich durch zusätzliche aufsteckbare Selenzelle (Kontakt über Zubehörschuh).
Fokussierung Messsucher gekoppelt, Fokussierung am Gehäuse.
Sucher kombinierter Sucher für Entfernungsmessung und Ausschnitt, Leuchtrahmen für 45 und 100 mm, einfache Parallaxenmarkierung.
Blitz Blitzsynchronbuchse für  M und X-Synchronisation (umschaltbar).
Filmtransport Schnellspannhebel, Rückspulkurbel, Bildzählwerk, Doppelbelichtungshebel.
sonst. Ausstattung Drehbarer Ring mit Tiefenschärfeskalen für die drei verfügbaren Brennweiten, ISO-Gewinde für Drahtauslöser.
Maße, Gewichtca. 144/89/56(72)mm, 723(873)g ohne (mit) Objektiv
Batterie keine.
Baujahr(e)1958-1961
Kaufpreis, Wert heute???, ca. $300
LinksManual (english), Massimo Bertacchi's Aires-Seite (english, italiano) , Karen Nakamura's Blog (english)

2011-07-06

Diorama

Jetzt habe ich sie genau 10 Monate, meine kleine Lieblingskamera, und erst jetzt mache ich mein erstes Diorama-Foto. Ich habe natürlich alle möglichen Funktionen der Kamera schon erkundet und ich fand diese Möglichkeit der Verfremdung recht interessant. Bisher war jedoch jedesmal, wenn ich über die Funktion gestolpert bin kein geeignetes Motiv zur Hand oder umgekehrt habe ich nicht daran gedacht, dass ich so eine Funktion habe, wenn ein Motiv da war. Gestern, beim allgemeinen Warten auf das Feuerwerk zum 4. Juli (der 235ste Geburtstag) war es endlich soweit.
Die Kamera bietet insgesamt sechs verschiedene sogenannte Art-Filter, von denen die Diorama Funktion wohl die bei weitem aufwändigste Verfremdung des Fotos ist. Man merkt das ganz deutlich, wenn man die Funktion wählt, dann ruckelt das Display der Kamera gewaltig, d.h. der Prozessor kommt mit dem Rechnen nicht mehr richtig nach. Es ist eher 1 Bild pro Sekunde, was noch angezeigt wird. Aber das tut der Funktion keinen Abbruch, sind es doch eher Stilleben, die von dem Effekt profitieren. Ich denke, jetzt wo das Eis quasi gebrochen ist, werde ich das öfter machen.

2011-07-02

Mein hundertster Post


Nach etwas mehr als 10 Monaten, hier nun also mein 100ster Blogbeitrag, neudeutsch: Post. Was anfangs als schlichte Übung zum Fotografieren von Fotoapparaten angefangen hatte, später eine Dokumentation über meine Fotokramsammlung werden sollte, hat sich inzwischen zu einem echten Hobby ausgewachsen. Ich habe einige Kameras geschenkt bekommen (Danke nochmal  an die Spender), später dann auch angefangen für wenig Geld altes Gerät auf Flohmärkten und Fotobörsen zu kaufen. 
Früher im Keller im Karton hat die Sammlung heute einen bedeutend besseren Platz bekommen. In unserem neuen Haus in New Jersey war endlich Platz in einem Regal neben dem Kamin. Oben auf dem Foto sind der Schwerpunkt der Sammlung zu sehen. Wer genau hinsieht erspäht dort Kameras, die ich im Blog noch nicht im Detail vorgestellt habe. Für Nachschub ist also gesorgt und ich denke, dass ich auch die 200 noch vollkriege. 

Nachtrag Mitte 2015: So sieht es heute aus im Regal....