2012-05-23

Hit Kamera


In Deutschland sind sie nicht besonders bekannt, im armen Nachkriegsjapan waren solche Subminiaturkameras  mit minimalen Ausstattungsmerkmalen der Hit. Sie waren quasi billige Nachbauten der schon 1937 von der Firma Misuzu entwickelten Midget Kamera. Obwohl fast nur ein Spielzeug war es direkt nach dem Krieg für viele Japaner der einzig erschwingliche Weg Fotos zu machen. Dutzende Fotofirmen in Japan bauten diese Kameras mit minimalen Variationen aus gepresstem Messingblech und später auch aus Plastik. Ende der 1940'er Jahre gelangten die ersten dann  mit den abziehenden Besatzungssoldaten in die USA.


Ab 1950 wurde auch exportiert und eine der ersten Firmen im Export war die Firma Hit und so wird heute die ganze Klasse als Hit-Kameras bezeichnet. In Amerika gab es die Dinger für einen Dollar inkl. Film aus Kaugummiautomaten und einige hingen sicher auch als Weihnachtsdeko im Tannenbaum. Sammler haben bis heute schon fast 500 verschiedene Varianten zusammengetragen, klassifiziert und dokumentiert. Natürlich gibt es auch eine eigene Web-site, die sich diesem Hobby widmet. Nur eine einzige Seite im Netz über diese Winzlinge ist auf Deutsch und sie ist schon ein paar Jahre alt. Wenn man keinen Vergleich hat, kann man sich kaum vorstellen, wie klein die Dinger wirklich sind. Hier im Vergleich zu einer meiner bevorzugten Kleinbild(!)kameras...
Diese Hit hier ist meine erste "e-bay Kamera". Mal sehen, vielleicht benutze ich diese Quelle demnächst öfter, um meine Sammlung zu ergänzen. Ohne es sofort genau zu wissen, habe ich mit genau dieser quasi den Gattungstyp schlechthin ersteigert, perfekt! Was macht diese Kameras also genau aus:
  • Das simple Grunddesign und die Abmessungen der Kamera orientieren sich am HIT Vorbild
  • Der Film ist ein 17.5 mm breiter Rollfilm mit Papierrücken (ein längs halbierter 35 mm Streifen ohne Perforation). Dieser Film wurde in den 1930'er Jahren auf Basis des sog. Pathe Rural Kinofilms entwicklet und war daher preiswert verfügbar.
  • Das Neagtivformat ist 14x14 mm, auf ein Röllchen passen 10 Aufnahmen.
  • Das Objektiv ist simpel und nicht auswechselbar, meist ein einfacher Fix-Fokus Miniskus mit ca. 20 mm Brennweite und f/11 (geschätzt).
  • Es gibt nur eine Verschlusszeit (ca. 1/25 s) und ggf. "B" und keine weitere Möglichkeit abzublenden.
  • Oberhalb des Objektivs gibt es einen einfachen optischen oder gar nur direkten Durchsichtsucher.

Im technisch-fotografischen Sinn sind Hit-Kameras direkt oberhalb von selbstgebauten Lochkameras angesiedelt, man kann aber tatsächlich  damit fotografieren, wie einige Beispiele im Netz beweisen. Wenn man es selbst ausprobieren möchte muss man sich allerdings wohl aus einem KB-Film den 17.5mm Rollfilm selbst zurechtschnippeln und dann auch irgendwie selbst entwicklen. Diese Kameras zu sammeln verspricht aber wohl mehr Spaß...

2012-05-16

HP photosmart 433

Hewlett-Packard, der große Technologiekonzern aus Palo Alto, CA und seit einiger Zeit größter PC-Hersteller der Welt, ist nicht so bekannt als Kamerahersteller. Mit dem Aufkommen der Digitalkameras Ende der 1990er Jahre war aber gerade HP prädestiniert in dem Markt mitzumischen, da man ja (im Gegensatz zu den etablierten Fotofirmen) keine analogen Kameras anbot und sich damit keine eigene Konkurrenz ins Haus holte. Trotzdem war der Ausflug von HP auf den Fotomarkt nicht besonders erfolgreich. 
Am Anfang stand 1997 die einfach Photosmart genannte VGA (640x480 Pixel = 0.3 MP) auflösende Plastikknippse ohne eigenes Display und eigener Speicherkarte. Von 1998 bis 2007 folgten mindestens 54 weitere und sehr unterschiedliche Modelle, die alle PhotoSmart plus irgendwas hießen. Sie machten über die Jahre mit beim allgemeinen Megapixel-Wettrennen und boten die zur jeweiligen Zeit üblichen Funktionen und Features, keine von ihnen war aber je technischer Pionier oder stach sonstwie heraus. Man braucht keine große Phantasie um zu erkennen, dass HP das Kamergeschäft nur aus der Marketingabteilung heraus betrieben hat. Die Kameras selbst wurden allesamt von (verschiedenen) OEM Produzenten in Asien gebaut und man kaufte verfügbare Komponenten und Technologien eben zu. Dass bei diesem Mischmasch kein roter Faden oder gar eine Markenidentität entsteht (wie z.B. bei den HP-Druckern) ist nicht verwunderlich. Konsequenterweise gab HP am 7. November 2007 bekannt, aus dem Kamerageschäft auszusteigen, und in der Tat gibt es derzeit auch keine HP Kameras mehr neu zu kaufen.  2010 gab es eine kurze Rückkehr auf den Markt, ich bin mir aber nicht sicher, wie lange diese nicht mehr Photosmart genannten fünf Kameras wirklich zu kaufen waren.
Die hier gezeigte Photosmart 433 habe ich vor kurzem von einem Kollegen geschenkt bekommen. Sie kam 2003 auf den Markt und wurde so bis 2005 hinein verkauft. Das nur 1.5 Zoll große Display macht einen optischen Sucher noch erforderlich und der Zoom (3x) ist rein digital, d.h. Teleaufnahmen haben nicht mehr die 3.1 MP Auflösung. Auf den deutschen Markt kam die fast identische 435 mit 5-fach Zoom, vermutlich nur mit anderer Firmware. Normale AA-Batterien und eine moderne SD-Karte waren praktische Features, gehalten hat das Ding aber nicht lange und wurde auch bei meinem Kollegen nach nur kurzer Zeit durch eine andere Digiknippse ersetzt. Heute macht jedes Smartphone bei bessere Aufnahmen, wie schnell die digitale Zeit vergeht.