2012-08-24

Kodak ohne Film und Foto...


Nur 7 Monate nachdem Kodak unter Chapter 11 schlüpfte (siehe hier), um seine Zahlungsfähigkeit zu sichern und notwendige (drastische) Restrukturierungen durchzuführen, kommt jetzt die Meldung, die Fotonostalgiker verzweifeln läßt: Kodak will sich von seinen ehemaligen Kernbereichen trennen. In Zukunft soll es also keine Filme mehr von Kodak zu kaufen geben, keine Fotopapiere und auch sonst keine Produkte für Endkunden mehr. Die Fotokioske, an denen Meschen in Super- und Drogeriemärkten ihre Digitalfotos printen, werden ebenso demnächst nicht mehr rot-gelb sein. 
Was ein Untergang. Kodak wird, wenn es überhaupt überlebt, drastisch schrumpfen und eine Firma für Druckmaschinen, dazugehörige Verbrauchsmaterialien (Tinte) und Software werden. Im Augenblick sieht es noch so aus, dass Kinofilm für die großen Studios in Hollywood erstmal weiterläuft. Vermutlich existieren langfristige Verträge, aber auch das ist ja kein Endkundengeschäft. Interessant wird in den nächsten Monaten die Frage, wieviel Kodak durch die Versteigerung ihrer Fotopatente erlösen kann. Derzeit sieht es auch hier nicht gut aus. Angeblich haben sich die Großen der Digitalbranche (Apple, Google, Microsoft, ...) zusammengetan, um ja keinen Bieterwettbewerb aufkommen zu lassen. Kodak kann einem wirklich leid tun.  

2012-08-14

Kodak Autographic Film (116)

Das hier ist eine Metallspule für Eastman's Kodak No. 116 Rollfilm aus meiner No.1A Kodak Junior Faltbalgenkamera. Vermutlich war auch mal Autographic Film aufgespult, sowas wie der analoge Vorläufer einer Datenrückwand. Die Erfindung wurde schon vor 100 Jahren gemacht und zwar von Henry Jacques Gaisman, einem sehr vielseitigen Erfinder. George Eastman kaufte ihm die Erfindung 1913 für 300,000 US$ ab, damals eine riesige Summe, angeblich die größte Summe die bis dahin für eine einzelne Erfindung gezahlt wurde. Von verschiedenen Rollfilmen gab es ab 1914 jeweils eine Autographic Variante mit demselben Bildformat, man brauchte aber auch eine entsprechende Kamera. Der Autogrphic Film kostete nicht mehr als der entsprechende Film ohne, Kodak hatte wegen des Patents allerdings ein Alleinstellungsmerkmal und konnte so die Kunden an seine Filme binden.
So, wie funktioniert das Ganze nun? Autographic Film war erst einmal ein ganz normaler Schwarzweiß-Rollfilm, hatte aber statt einem einfachen Papierträger eine doppelte Papierschicht hinter dem Film. Die äußere war rot und leicht lichtdurchlässig, die mittlere schwarz und so eine Art Kohlepapier. Wenn man mit einem spitzen Gegenstand wie einem Stift Eindrücke darauf hinterließ, wurde es an diesen Stellen durchscheinend. Jetzt konnte man also nach der Aufname die spezielle Autographic-Klappe auf der Rückseite der Kamera öffnen, mit dem Stylus, einem Metall-Stift (fehlt leider bei meinem Exemplar) seine Notizen aufzeichnen und musste dann für ein paar Sekunden das Ganze ans Licht halten. Dadurch wurde dann das Geschriebene auf den Zwischenraum zwischen den Bilden einbelichtet. Klever, oder? 

Kodak's Autographic Film kam 1914 auf den Markt und Kodak stattete viele seiner Kamermodelle mit dem Feature aus und hat sogar später Kamerarückwände damit extra angeboten. Ganz ähnlich wie die Datenrückwände in den 1980ern. 1932 hat Kodak die Produktion der Autographic Filme wieder eingestellt, vermutlich weil höher empfindliche Filme aufkamen, die es technisch deutlich schwieriger machten, das Prinzip umzusetzen. Vielleicht war aber auch das Kundeninteresse nicht so groß und kaum einer verwendete diese Funktion? Auch die Datenrückwände der 80er haben meines Wissens sich nicht wirklich breit durchgesetzt.

2012-08-11

No.1A (Autographic) Kodak Junior


Eine Kollegin von mir veranstaltete neulich einen "garage sale", um den alten Krempel ihrer Eltern loszuwerden und dabei war ein ganzer Karton alten Fotokrams, ich habe mir die ältesten und interessantesten Stücke rausgepickt. Diese Kodak "folding camera" war definitiv die älteste in der Kiste, vermutlich noch vom Großvater. Wenn man den Beschreibungen im Netz Glauben schenken kann, dass sich solche alten Kodak Schätzchen anhand der eingravierten Patente datieren lassen, dann stammt dieses Modell von 1914 oder 1915, ist also ca. 98 Jahre alt. Bis auf ein fehlendes Stück Ziegenleder ist sie noch sehr gut erhalten, die Optik ist klar und die Mechanik funktioniert.

Kodak No1A 
Neben den billigen Boxkameras waren die Faltbalgen-Modelle für Rollfilme die beherrschende Kameraklasse (nach Stückzahlen) der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Fast jeder Hersteller hatte verschiedene Modelle im Programm. Es gab sie in verschiedenen Größen und natürlich auch Preisklassen, das Grunddesign war aber immer das selbe. Eastman Kodak hat natürlich in vorderster Front mitgespielt und hatte mit den Autographic Modellen ein Alleinstellungsmerkmal am Markt. Dazu in einem speziellen Post demnächst mehr. 



Die No.1 A Junior verwendete 116er Rollfilm (bzw. die Autographic Version davon) und bot damit Negative in 6,5 x 11 cm Größe, die im allgemeinen nicht vergrößert, sondern per Kontaktabzug prozessiert wurden. Den Rollfim 116 gab es schon ab 1899 am Markt und wurde von Kodak erst 1984 eingestellt, vermutlich weil er mit 70 mm Breite (doppelter KB-Film und als Kinofilm) sowieso ins Konzept passte. Verschiedene Modelle wurden angeboten, dies hier ist das best ausgestattetste mit variablem Fokus und f/7.7 Anastigamat Objektiv. Wer mehr wissen möchte, schaut sich am Besten die Bedienungsanleitung an, die es wie üblich bei Mike Buktus gibt (Spende nicht vergessen...!).