2013-02-18

Kodak Six-20 Brownie Junior

Auf dem Kameramarkt am letzten Sonntag war ich eigentlich nur auf der Suche nach 620er Rollfilm (oder Spulen davon zum Umspulen von 120er) zum Testen meiner alten Rolleiflex. Statt Film oder Spulen fand ich nur ein paar alte Brownies für das Format. Diese hier war besonders gut erhalten, und: es war noch ein Film und damit zwei Spulen drin. Bei nur 5$ für alles zusammen brauchte ich nicht lange überlegen.


Kodak hat im Laufe von Jahrzehnten einen Haufen verschiedener Boxkameras unter dem Namen Brownie (siehe auch hier) verkauft, fast alle hatten ein ähnliches Eigenschaftsprofil im Sinne der technischen und optischen Funktionalität (siehe z.B. Tabelle unten). Es gab sie für die verschiedensten Rollfilmformate und dabei auch einige für den 620er, meist mit dem Namenszusatz SIX-20. Auch waren die Namen nicht wirklich eindeutig. Die "Kodak SIX-20 Brownie Junior" wurde von 1934-1942 in den USA, England und Kanada gebaut und es existieren mindestens 5 verschiedene Varianten. Die häufigste ist das Art-Deco Modell aus amerikanischer Produktion, daneben die englischen Modelle Standard, Super und Portait. Das hier gezeigte Modell mit der einfach schwarzen Art-Deco Front wurde zwischen 1940 und 1942 für den Export nach Frankreich gebaut.

Datenblatt Einfache Boxkamera(6x9) für Rollfilm 620
Objektiv Einlinisger Meniskus, f/11 und f/16
Verschluss Box-Rotationsverschluss, ca. 1/40s und T.
Fokussierung Fixfokus. 
Sucher zwei einfache Spiegelsucher für Hoch- und Querformataufnahmen..
Filmtransport Rollfilm 620, Drehknopf, kein mechanisches Bildzählwerk (rotes Fensterchen für Zählung auf Rückseitenpapier hinten).
sonst. Ausstattung keine.
Maße, Gewichtca. 82/110/132 mm, 438 g
Baujahr(e)1934-1942, diese Variante  1940-1942 für den Export.
Kaufpreis, Wert heute1934: US$ 2.25, heutiger Wert je nach Modell und Zustand ca. US$5 bis US$30
LinksThe Brownie Camera Page, Camera-Wiki, The Remigijus Brownie Collection, Manual (english)

2013-02-14

Rollfilm 620

1932 wollte Kodak mal wieder den Marketing-Hebel ansetzen, auch wenn das wohl damals noch nicht so genannt wurde. Man brachte eine Reihe neuer und (damals) moderner Kameras und einen dazugehörigen "neuen" Rollfilm 620 auf den Markt. Die Unterschiede zum existierenden Rollfilm 120 waren nur ein paar Millimeter hier und da (siehe unten), aber so gravierend, dass der alte Rollfilm - insbesondere  der von Wettbewerbern - nicht mehr in die neuen Kameras passte. Da der neue ein bisschen kleiner war, konnte man ihn aber in vielen der alten 120er Kameras verwenden. Kodak stellte konsequenterweise alle Kameras auf den neuen Film um, die erste war die Kodak Six-20 Faltbalgenkamera, die letzte angeblich die Brownie Reflex 20, die bis 1966 gebaut wurde. Am Ende hat bekanntlich der 120er Rollfilm überlebt, vielleicht hat ja doch der Wettbewerb und der Verbraucher noch ein Wörtchen mitzureden.
Rollfilmtyp 620 wird seit 1995 nicht mehr produziert, man kann ihn aber noch kaufen. Wie ist das möglich? Ganz einfach: Rollfilm 620 ist ein Rollfilm 120 auf einer engeren Spule und die heute zum Verkauf stehenden Rollen wurden umgespult auf historische 620er Spulen. Man kann das auch selbst machen, wie dieses Video zeigt.

Von links nach rechts: 620er Spule aus Metall (vermutlich von Kodak, 60er Jahre?),
120er mit Holzkern (Agfa oder Geveart, 50er Jahre), 120er Spule aus Metall (Kodak, USA),
moderne 120er Plastikspule.
Auf diesem "Gruppenbild mit Dame" fehlt noch der Typ 117, der ältere Vorläufer zum 620 mit dünnem Kragen wie ein 620er aber dickem Kern wie ein 120er. Hier zum Vergleich die technischen Daten der Spulen, alle verwenden sie 61.5mm breiten Rollfilm, der bei 120 und 620 76 cm lang ist und somit 12 Bilder im Format 6x6 (eigentlich 56mm x 56mm) erlaubt. Der 117er Film war nur halb so lang.
  • 117: 62.74 mm Breite, 22.2 mm Kragen, 11.9 mm Kern (Kodak 1900 -1949)
  • 620: 62.69 mm Breite, 23.0 mm Kragen, 7.1 mm Kern (Kodak 1932 - 1995)
  • 120: 62.64 mm Breite, 25.2 mm Kragen, 11.9 mm Kern (Kodak 1901 - heute)
Es gab noch eine Ganze Reihe anderer Rollfilmformate, ich habe in meiner Sammlung noch Nr. 116 (1899 - 1984) und Nr. 127 (1912 - heute). Die gesamte Liste gibt's hier. Meine leere 620er Spule war in meiner Original Rolleiflex, die ursprünglich für den 117er gebaut wurde. Ich habe mich also auf die Suche nach Film gemacht, und den Verichrome Pan oben in einer Six-20 Brownie Junior gefunden. Kamera plus Film und zwei Spulen für nur 5$, mehr über die Kamera demnächst.

2013-02-09

Rolleiflex Original

Das ist er also: der Urahn aller zweiäugigen Spiegelreflexkameras (englisch: TLR für Twin Lens Reflex) für Rollfilm. Das Prinzip mit dem Spiegelsucher inkl. Mattscheibe, extra Objektiv und Einblick von oben stammt schon aus dem Ende des 19. Jahrhunderts und wurde damals von einigen klobigen Plattenkameras verwendet. Auch die junge Firma Franke&Heideke in Braunschweig verwendete ab 1921 es für ihre Stereokameras mit dem Namen Heidoscop (von Heideke und Stereoscop). 1926 brachte man das Rolleidoscop auf den Markt, richtig: eine Sterokamera für Rollfilm. Da war der Weg nicht mehr weit zur Rolleiflex, wie die Kameras nach diesem Prinzip von F&H seit dem heißen (ja, sie werden immer noch gebaut!).
Die Kamera fand sehr viele Nachahmer, die interessanterweise eine sehr homogene Kamerklasse bilden. Viele halten sich sehr eng an das Original. Ich selbst besitze mit der Seagull 4B-1 einen direkten Nachfahren mit ähnlichem Feature Set, außerdem eine Yashica 44, einen Babyrollei-Klon. Wegen ihres wegweisenden Designs bekam sie auch einen Platz in der Shutterbug-Liste der Top-20 Cameras of all time, und natürlich darf sie auch in meiner Sammlung nicht fehlen.


Wie ich schon angekündigt hatte, habe ich begonnen, das Schätzchen vorsichtig zu restaurieren. Bisher habe ich mich auf das wesentliche beschränkt und erst einmal den Schmutz entfernt, der sich im Laufe der Jahrzehnte auch im Inneren der Kamera angesammelt hatte. Dazu wurde die Kamera vorsichtig zerlegt. Das ist erfreulich einfach, was bei der recht simplen Konstruktion auch nicht wirklich wundert. Schwierigster Part war das Entfernen des alten verharzten Schmierfetts aus den Scharfstellgetrieben. Ich habe es durch frisches Kettenschmierfett ersetzt, jetzt dreht und schiebt sich alles wieder wie früher.
Verharztes Öl war wohl auch für Fehlfunktionen des Verschlusses verantwortlich, insbesondere die längeren Zeiten waren viel zu lang oder blieben schlicht offen hängen. Nach Entfernen des Objektivs (man kann jeweils die Front- und die Hinterlinsen recht einfach abschrauben) habe ich den Verschluss und die Blende freigelegt. Gereinigt wird dann mit jeder Menge Isopropanol und Leichtbenzin. Ich habe die Lösungsmittel mit einer kleine Spritze appliziert, den Verschluss (oder die Blende) mehrmals ausgelöst bzw. bewegt und dann die überschüssige (und dreckige) Flüssigkeiten wieder mit (ettlichen) Wattestäbchen aufgesogen. Und was soll ich sagen: Es flutsch wieder. Mein Verschlusszeitentester attestiert meinen Bemühungen Erfolg und ich war selbst sehr überrascht, wie genau die Zeiten dieses Opa-Verschlusses immer noch sind (siehe Diagramm).
Die nächsten Restaurierungsstufen erfordern mehr Aufwand und ich weiß noch nicht, ob ich das wirklich machen soll: Neuer Lack hier und da und das Leder erneuern oder zumindest neu ankleben. Der Einstellscheibe fehlt eine Ecke, man könnte sie gegen eine neuere und hellere austauschen, oder den halb blinden Spiegel erstzen. Mal sehen. Was ich als nächstes wohl mache: einen Film damit verknippsen...

Datenblatt Zweiäugige Spiegelreflex (6x6)
Rolleiflex Mod. 612
Objektiv Carl Zeiss Jena Tessar 75mm f/3.8 (Nr. 1104279), Sucherobjektiv: Heidoscop-Anastigmat 75mm f/3.1 (Nr. 62907, interne Nr. 17241)
Verschluss Compur Zentralverschluss (F. Deckel-München), 1-1/300 s, B, T. Blendenreihe f/3.8 - f/32.
Belichtungsmessungkeine
Fokussierung TLR, Fokussierung durch Verschieben der gesamten Frontplatte mittels seitlichem Drehknopf, Naheinstellgrenze 2m.
Sucher Einfache Mattscheibe, Einblick von oben auf aufrechtes aber seitenverkehrtes Sucherbild, einschwenkbare Sucherlupe.
Blitz kein Synchronanschluss.
Filmtransport Rollfilm 117, umgebaut auf 620, Drehknopf, kein mechanisches Bildzählwerk (rotes Fensterchen für Zählung auf Rückseitenpapier hinten).
sonst. Ausstattung ISO-Gewinde für Drahtauslöser, Stativgewinde
Maße, Gewichtca. 130/83/96 mm, 722 g
Batterie keine.
Baujahr(e)Januar 1929 - Februar 1932, dieses Modell vermutlich Mitte 1930, ca. 35,000 Exemplare in vier Ausführungen (f/3.8, f/4.5, frühere Modelle mit komplett abnehmbarer Rückwand)
Kaufpreis, Wert heute1929: US$85, 1850 Franc oder 225 RM, heutiger Wert je nach Zustand ca. US$100 bis US$500
LinksRolleiclub, Early Photography, Thread auf apug.org, Camera-Wiki

2013-02-02

Rolleiflex ungeschminkt - unadorned...

Eine originale Rolleiflex aus der ersten Serie von 1929-1931 sollte in keiner Kamerasammlung fehlen. Diese hier lief mir bei ebay als echtes Schnäppchen über den Weg und ich konnte nicht widerstehen. Ihr Zustand ist für ihre 83 Jahre ganz passabel. Sogar der Verschluss funktioniert, vermutlich aber nicht mit den angegebenen Zeiten. Ich werde mich nun dranmachen und eine vorsichtige Restaurierung versuchen. Vielleicht kann ich ja sogar irgendwann einen Film durchziehen. Demnächst hier einen ausführlichen Post.
A Rolleiflex "original" from the first series of 1929 to 1931 should not be missing in any camera collection. I came across this one on ebay as a real bargain and couldn't resist. Its condition is pretty good considering its age of 83 years. Even the shutter works, although the times may not be correct. I will work on it now and try a careful restoration. Maybe I can even pull a roll of film through sometime. Coming soon, a detailed post...