2013-03-23

California Museum of Photography

Gestern habe ich auf einer Kalifornienreise kurz beim o.g. Museum in Riverside reingeschaut. In modernem Ambiente gibt es auf drei Etagen wechselnde Fotoausstellungen und Videoinstallationen. Derzeit geht es um Raumfahrt...
Es gibt aber auch als ständige Ausstellung einen Raum mit einer kleinen, aber feinen Kamerasammlung. Schwerpunkt liegt auf technischen Innovationen und den Beginn der Massenfotografie (erste Kodak Kameras etc.). Highlight der Sammlung für mich war die Ermanox. Der Besuch hat sich gelohnt zumal auch der Eintritt gestern frei war...

 

Yesterday, during a California trip I stopped by at above mentioned museum in Riverside. In a modern setting, there are three floors of changing photographic exhibitions and video installations. Currently it's all about outer space...

But there is also a permanent exhibition in a room with a small but exquisite camera collection. Focus is on technical innovation and the beginning of mass Photography (first Kodak cameras, etc.). The highlight of the collection for me was the Ermanox. The visit was worthwhile especially as there was free admission yesterday...

2013-03-16

Minolta (Maxxum) 7000

Kaum ein anderes analoges SLR-Modell hat die Kameraindustrie so entscheidend verändert wie Minolta's 7000 AF (in den USA: Maxxum 7000, in Japan: alpha 7000), der deutsche Wikipedia Artikel spricht vom Sputnikschock der Fotoindustrie. Als sie Anfang 1985 auf den Markt kam, ist sie erstmal nur die erste Autofokus Kleinbild Spiegelreflex für Wechselobjektive mit einem im Gehäuse integrierten Fokusmotor, kurz: die erste moderne AF-SLR. Das alleine erklärt aber nicht ihren durchschlagenden Erfolg, den sie damals hatte. Der kommt daher, dass sie alle aktuellen Neuentwicklungen in sich vereinte, bei denen sie zwar nicht die erste war, aber zumindest zu den ersten gehörte:
  • Computer gesteuerte (wählbar) Programm-, Zeit- und Blendenautomatik (Canon A-1, 1978)
  • eingebauter motorischer Filmtransport inkl. automatische Filmeinfädelung (Konica FS-1, 1979)
  • LCD Display im Sucher (Nikon F3, 1980)
  • Steuerung über Tiptasten statt traditioneller Einstellräder (Pentax ME-Super, 1980)
  • TTL-AF Sensor per passiver Kontrast Erkennung (Pentax ME-F, 1981)
  • Multi-LCD Display zur Darstellung der eingestellten Parameter (Pentax Super-A, 1983)
  • motorische Filmrückspulung (Canon T70, 1984)
  • leichtes Gehäuse, vollständig aus Kunststoff (Konica TC-X, 1984)
  • automatische Erkennung der Filmempfindlichkeit per DX-code (Konica TC-X, 1984)
...und noch einige andere "Kleinigkeiten". In der SLR Kamerageschichte ist das höchstens vergleichbar mit dem Erscheinen der Nikon F (1959), die damals auch alles technisch verfügbar Beste in sich vereinte und damit das Erscheinungsbild von KB Spiegelreflexkameras bis ... ja bis zur Minolta 7000 AF... prägte.
Gut zu erkennen ist Minoltas neues A-Bajonett mit den 5 elektrischen Kontakten und der kleinen AF-Motor-Kupplung unten rechts. Der Spiegel war strukturiert halbdurchlässig, um Licht und Informationen für den AF-Sensor im Boden der Kamera durchzulassen und aufzubereiten.
Minolta ging damals volles Risiko mit einem neuen Bajonett (und Auflagemaß!), einer ganzen Reihe passender Objektive und weiterem Systemzubehör, was nicht mehr zu den existierenden Minolta Kameras passte. Minolta setzte also alles auf eine Karte und gewann: Die Kamera katapulierte Minolta an die Spitze der japanischen Kameraindustrie. Die Konkurrenten folgten recht bald (müssen also schon das eine oder andere in der Entwicklungspipeline gehabt haben): Nikon F-501, Canon EOS 650, Pentax SFX und Olympus OM-707. Letztere war fast ein Klon der Minolta und interessanterweise die am wenigsten erfolgreiche von allen. Minolta nutzt auch seinen Vorsprung und baut das System mit weiteren Kameras aus. Klassische nicht-Autofokus SLR's existierten natürlich noch eine Weile, aber die Minolta 7000AF wurde schnell zum Archetyp moderner Spiegelreflexkameras.



Die Geschichte geht aber für Minolta nicht ganz gut aus. Man dachte, die Technologie genügend durch Patente geschützt zu haben, die von Leitz seit Ende der 1960er Jahre angemeldet wurden. Leitz und Minolta hatten eine recht enge Kooperation während der 70er Jahre und Leitz entschied damals die Patente nicht selbst zu nutzen, sondern Minolta zu überlassen. Ein Patentgericht in New Jersey entschied aber 1992 abschließend anders. Honeywell hatte geklagt, dass ihre Technologie verwendet würde und bekam Recht, wie ich schon in meinem Beitrag zur Konica C35AF berichtet habe (siehe die Links dort). Anhand der gezahlten Strafen, die auch die anderen großen Kamerahersteller betrafen, kann man recht genau deren Marktstellung ablesen. Danach hatte Minolta mehr als 50% des SLR-AF Marktes. 

Die Strafe traf Minolta trotz des zunächst anhaltenden Markterfolges hart. Große Investitionen in die Entwicklung der nicht wirklich erfolgreichen APS Kameras spülten weitere Verlusste in die Bilanz, dann kam noch die digitale Fotorevolution, der man wohl finanziell nicht mehr gewachsen war. Man rettete sich zunächst (2003) in eine Fusion mit Konica, um dann schon 2006 das Kamerageschäft an Sony zu verkaufen. Sony verwendet allerdings heute noch das mit der 7000 AF eingeführte Bajonett und alle AF Objektive von 1985 können an den modernsten Sony DSLR Kameras verwendet werden. Das hier abgebildete Zoomobjektiv stammt von 1993, 1985 gab es ein 35-70 mit "fester" Blende f/4.

Datenblatt Erste moderne Autofokus SLR
Objektiv AF-Wechselobjektive mit Minolta A-Bajonett.
Verschluss Vertikaler, elektronischer Metall-Lamellenschlitzverschluß 1/2000s - 30s und B.
BelichtungsmessungMittenbetonte TTL-Offenblendmessung, Empfindlichkeitseinstellung 25-6400 ASA. Computergesteuerte Belichtungsautomatik (P, A, S, M) mit P-shift. Belichtungskorrektur +/- 4 in 0.5 Stufen.
Fokussierung Autofokus mit AF-Motor in der Kamera. Schärfeindikator mit drei LED im Sucher, Datenkommunikation mit AF-Objektiv durch 5 Kontakte am Bajonett, manueller Fokus.
Sucher SLR, 94% des Bildfelds, Suchervergrößerung 0.85x. Anzeige von Blende, Betriebsart und Zeit durch LCD Display.
Blitz Mittenkontakt im Zubehörschuh und Synchronbuchse (X). 1/100s Synchronzeit. Zusätzliche Kontakte für Systemblitz, TTL Blitzmessung.
Filmtransport motorisch bis zu 2 B/s, Rückspulen ebenfalls per Motor.
sonst. Ausstattung elektronischer Selbstauslöser, keine Abblendtaste, Anschlussmöglichkeit für Computer-Rückwand mit erweiterten Kamerafunktionen, Anschluss für elektrischen Fernauslöser, DX-Kodierung wird unterstützt.
Maße, Gewichtca. 138/92/52 mm, 555g ohne Objektiv und Batterien
Batterie 4 x AAA, optional andere Batteriehandgriffe für AA oder Li-Batterien mit erhöhter Kapazität.
Baujahr(e)1985-1988
Kaufpreis, Wert heute$500 (1985), heutiger Wert ca. US$30
LinksManual (english), Wikipedia, Marc's Seite, Werbung (Video von 1986), Shutterbug list of top 20 cameras of all times, Schnittzeichnung

2013-03-10

Pentax ME F

Ein Meilenstein(chen) der Kamerageschichte: 1981 war die Pentax ME F die erste (kommerziell erhältliche) Autofokus-Spiegelreflexkamera für Kleinbildfilm mit TTL (through the lens) Fokusmessung. Alle diese Einschränkungen müssen sein, denn die erste AF-SLR war die Polaroid SX-70 Sonar Onestep von 1978. Die erste kommerzielle AF-Kleinbildkamera habe ich auch schon in meiner Sammlung: Konica C35 AF von 1977. Man sieht, Autofokus war damals ein ganz heißes Thema und DIE Innovation nachdem TTL-Belichtungsmessung und Belichtungsautomatik inzwischen Stand der Technik waren. 


Alle renomierten Kamerahersteller arbeiteten also damals an Autofokus-SLR's und Asahi Pentax Ingenieure waren die schnellsten am Markt. Sie haben es sich aber auch recht einfach gemacht. Die Pentax ist im wesentlichen eine Pentax ME-Super, die um eine integrierte Scharfstellhilfe und ein paar weitere damit verbundene Kleinigkeiten erweitert wurde. Die Bilder oben zeigen, was anders ist: Während die rechte Kameraoberseite unverändert ist, kamen links zwei Schiebeschalter für die Scharfstellhilfe hinzu. Außerdem braucht die Kamera die doppelte Anzahl an Batterien. Die Messzelle für die Phasenkontrastmessung sitzt im Boden der Kamera, der Rückschingspiegel ist in der Mitte halbdurchlässig und ein zweiter Hilfsspiegel lenkt das Licht auf den neuen Sensor. Das ansonsten identische K-Bajonett hat 5 neue elektrische Kontakte, die die Scharfstellinformationen an das einzig verfügbare AF-Objektiv übermitteln: SMC Pentax AF 35-70/2.8 Zoom. Dies hat einen eingebauten Scharfstellmotor, der aus 4 AAA Batterien gespeist wird und entsprechend einen recht unattraktiven Bauch. 
Foto von ebelbeb
Immerhin funktioniert die Scharfstellhilfe mit allen anderen verfügbaren K-Objektiven über eine LED-Anzeige im Sucher oder wahlweise mit einem akustischen Signal (wer's mag). Während mir die ME-F selbst schon häufiger untergekommen ist, habe ich bisher das AF-Zoom noch nie in die Finger gekriegt, daher hier ausnahmsweise ein Leih-Foto. 

Es folgten andere Kamerahersteller mit ähnlichen Konzepten: Yashica mit der Contax 137 AF (nur ein Prototyp auf der Photokina 1982), Olympus OM30/OM-F (1983), Nikon F3AF (1983, 2 Objektive, nur für Profis erschwinglich), Canon T80 (1985).  Alle diese Kameras waren nicht sehr erfolgreich am Markt und werden wohl selbst kaum die Entwicklungskosten für die neuen AF-Systeme eingespielt haben. Der Durchbruch für Autofokus kam 1985 mit der Minolta (Maxxum) 7000. Davon in diesem Beitrag, denn auch eine solche konnte ich heute günstig erwerben...



Datenblatt Erste KB-SLR mit passivem TTL-Autofokus
Objektiv AF-adaptiertes Pentax K Bajonett, AF nur mit SMC Pentax AF 35-70 f/2.8. Alle K-Objektive passen (ohne AF).
Verschluss Vertikaler, elektronischer Metall-Lamellenschlitzverschluß  (Seiko MFC-E2) 1/2000s - 4s, mechanisch 1/125s und B.
BelichtungsmessungMittenbetonte TTL-Offenblendmessung mit GPD-Zellen. Empfindlichkeitseinstellung 12-1600 ASA. 
Fokussierung SLR, Mikroprismenmattscheibe, nicht auswechelbar. Elektronische Scharstellhilfe mit drei LED im Sucher, Steuerung des AF-Objektivs durch 5 Kontakte im Bajonett.
Sucher SLR, 92% des Bildfelds, Suchervergrößerung 0.95x. Anzeige der Belichtungszeiten mit farbigen LEDs. 
Blitz Mittenkontakt im Zubehörschuh und Synchronbuchse (X). 1/125s Synchronzeit. Zusätzliche Kontakte für Systemblitz. 
Filmtransport Schnellspannhebel, Bildzählwerk, Rückspulkurbel. Anschlussmöglichkeit für Winder "ME2"
sonst. Ausstattung ISO-Gewinde für Drahtauslöser, Selbstauslöser, keine Abblendtaste, Anschlussmöglichkeit für Datanrückwand
Maße, Gewichtca. 134/83/52 mm, 480g
Batterie 4 x 1.5V LR44 oder SR44.
Baujahr(e)1981-1984
Kaufpreis, Wert heute$994 (1981, inkl. AF Zoom), heutiger Wert ca. US$100
LinksManual (english), Wikipedia, Marc's Seite 

2013-03-07

SMC Pentax-A 50 mm f/1.7

Endlich ein Standardobjektiv für meine Pentax K-1000, gefunden auf dem letzen Kameramarkt. Die K-1000 wurde zwar hauptsächlich mit dem SMC Pentax-M 50mm f/2 verkauft, dieses passt aber natürlich auch. Es stammt aus Mitte der 1980er Jahre und wurde mit der neuen Pentax-A Kameraserie angeboten, die nun auch Blenden- und Programmautomatik bot.  Natürlich ist es abwärtskompatibel und funktioniert auch an früheren Zeitautomaten und an der manuellen K-1000. Viel mehr gibt es eigentlich dazu nicht zu sagen: ein Doppelgauß-Typ mit 6 Linsen in 5 Gruppen. Ich vermute, dass die Abbildungsleistung fast identisch sein wird zu einigen der anderen originalen Standardobjektiven mit ähnlicher Lichtstärke (z.B. diesem hier). Pentax-Fans heben gerne die besonders gute Vergütung aller Pentax SCM Objektive hervor, SMC steht für Super Multi Coating, dazu irgendwann mal mehr in einem eigenen Beitrag.