2015-01-17

Zenit C

Bei meinen Recherchen zu sovietischen Spiegelreflex (siehe hier) wurde mein Interesse an diesen Kameras soweit geweckt, dass natürlich ein Exemplar für meine Sammlung her musste. Bei e-bay stieß ich für nur $30 auf dieses wirklich gut erhaltene Stück, voll funktionstüchtig und sehr wenige Gebrauchspuren. Überrascht war ich beim Auspacken wie kompakt die Kamera ist, alle anderen SLR der 50er und 60er Jahre waren größer und wuchsen über die Jahre sogar noch mit zunehmender Funktionsvielfalt. Erst 20 Jahre später erreichten die geniale Olympus OM-1 und danach die Pentax M-Modelle wieder die Ausmaße der frühen Zenit Kameras. 
Die Зени́т-C (übersetzt: Zenit-S für Synchronisation) war das zweite Modell von KMZ und unterscheidet sich von der allerersten sovietischen KB-Spiegelreflex Zenit ("1") durch die Blitzbuchse und die Möglichkeit die Verzögerungszeit für die Blitzauslösung zwischen 0 (X) und 25 ms (M) variable einstellen zu können. Mir ist bisher keine andere Kamera untergekommen, bei der man das kann. 

Man sieht der Kamera ihre Verwandschaft zu den im gleichen Werk gefertigten Zorki Messsucher-Kameras an, diese wiederum basieren auf den ukrainischen FED, die mehr oder weniger direkte Leica-Kopien waren. Sogar der Objektivanschluss ist ein M39-Gewinde, allerdings mit wegen des Spiegelkastens erweitertem Auflagemaß. Ein erwähnenswertes Merkmal ist die Kordel zum Zurückholen des Spiegels (siehe Foto oben). Vielleicht fädele ich ja irgendwann mal einen Film ein, Leica-mäßig von unten.


Datenblatt KB-Spiegelreflexkamera
Objektiv Wechselobjektive mit M39x1 Schraubgewinde, z.B. Industar-50 5cm f/3.5, 4 Linsen in 3 Gruppen (Tessar, vergütet).
Verschluss Horizontaler Tuchschlitzverschluss mit 30-60-125-250-500 /s und B (ab ca. 1960, frühe Exemplare haben 25-50-100-250-500) 
Fokussierung Manuell am Objektiv, Spiegelreflex, keine sonstigen Einstellhilfen.
Sucher Spiegelreflex
Blitz Synchronbuchse, aber kein Zuberhörschuh. Variable Einstellung der Synchronverzögerung von 0 bis 25 ms
Filmtransport Drehknopf, Bildzählwerk, Rückspulknopf.
sonst. Ausstattung ISO-Anschluss für Drahtauslöser, Stativgewinde.
Maße, Gewichtca. 140x90x50mm, 520/584 g (o/m Objektiv)
Batterie keine.
Baujahr(e)1955-1961, insgesamt 232.949 Exemplare
diese Kamera (Serien-Nr. 60024693):  1960
Kaufpreis, Wert heute1955: ?,
heutiger Wert ca. US$ 80
LinksWikipedia, Sovietcameras, Camera-Wiki, Bedienungsanleitung (Engl.), USSRPhoto

2015-01-11

Soviet (and post-Soviet) 135 film SLRs

My project to assess the production numbers of all classical 135 film SLRs is still alive (to jump to the general overview and links to all other parts click here). Today's post is about all the cameras made in the former USSR and (after its dissolution) the respective post-Soviet states. There are only three factories/companies, which actually produced 135-type SLR cameras. The biggest one is KMZ (Красногорский механический завод, Krasnogorsk Mechanical Works) located in Russia close to Moscow. The smallest one is Arsenal in Kiev/Ukraine, normally known for their Contax RF copies named after the town Kiev. The third  is BelOMO (formerly MMZ) in Minsk/Belarus.KMZ (Красногорский механический завод, Krasnogorsk Mechanical Works) located in Russia All of them weren't actual competitors, they even cooperated and exchanged technologies and got their orders for production and development from a central administration in Moscow.
Mein Projekt, die Anzahl aller jemals produzierten Kleinbild-Spiegelreflexkameras abzuschätzen geht weiter (Hier gibt es die Übersicht). Heute geht es um alle Kameras, die in der früheren UDSSR und (nach deren Auflösung) ihren Nachfolgestaaten hergestellt wurden. Interessanterweise gibt es nur drei Fabriken, die SLR produzierten. Der größte Hersteller ist KMZ (Красногорский механический завод, Krasnogorsk Mechanical Works) in Russland nahe Moskau. Der kleinste ist Arsenal in Kiev (Ukraine), bekannt durch ihre Contax Messsucher-Klone mit dem Namen Kiev. Der dritte  ist BelOMO (früher auch MMZ) in Minsk (Weißrussland). Alle drei waren nicht wirklich Konkurrenten, sie kooperierten und tauschten Technologie aus und erhielten ihre Anweisungen von einer Zentralbehörde in Moskau.
KMZ was the first Soviet  producer to build an 135 film SLR. They took their Zorki RF and added a mirror cage. Result is a remarkable well designed and small SLR, called Zenit. After this KMZ continued to develop new Zenit models, a total of about more than 30. However, most of them have many features and also design elements in common and they can easily be grouped into about 10 bigger groups. Fortunately, KMZ reported all their production numbers and they still can be found on the internet today. Therefore this part is one of the most accurate of my entire assessments (with a total of 13,743,440 cameras). KMZ war der erste der sovietischen Hersteller mit einer KB-Spiegelreflex. Sie nahmen einfach ihre Zorki Messsucherkamera und erweiterten diese um einen Spiegelkasten. Resultat war die bemerkenswert wohlgeformte und kompakte SLR mit dem Namen Zenit. Danach entwicklete KMZ eine lange Folge weiterer Zenit Modelle, insgesamt mehr als 30. Weil viele von ihnen gemeinsame Merkmale aufweisen oder sich sehr ähnlich sind, lassen sie sich einfach als 10 größere Gruppen betrachten. Glücklicherweise hat KMZ sher gut über ihre Produktion Buch geführt und ide Zahl der produyierten Kameras läßt sich heute noch im Internet finden. Daher ist dieser Teil eines der genauesten meines gesamten Projektes (mit 13.743.440 KMZ Kameras).
As accurate the KMZ numbers are, the MMZ/Belomo numbers are definitely the least accurate of all my estimates, although Belomo just took some of the successful Zenit cameras from KMZ and continued to produce them in huge quantities (they've probably been ordered to do so).  Especially the 5 million of the Zenit E I could not believe in first, and I still have my doubts. However, I found multiple souces, claiming that the Zenit E series (KMZ and MMZ together) has been build in more than 12 million units (8 for the E + 4 for the ET) , making this the highest production number of any 135 film SLR in the world. The total SLR production of MMZ/Belomo I've estimated to be 9.1 million +/- 0.5 million). So akurat die KMZ Zahlen auch sind, die MMZ/Belomo Zahlen sind die betimmt ungenaueste Schätzung des gesamten Projekts. Das liegt daran, dass Belomo einfach große Mengen and KMZ-Zenit SLR nachgebaut bzw. quasi in Lohn gefertigt hat. Nur leider wurde nicht wirklich genau Buch geführt. Zunächst konnte ich die 5 Millionen für die Zenit E nicht glauben, aber verschiedene Quellen besagen, dass KMZ und MMZ zusammen über 12 Millionen Einheiten gebaut haben (genauer 8 mio von der E und 4 von der ET), was bedeuten würde, dass die Zenit E/ET die häufigste SLR der Welt ist. Die Gesamtproduktion von Belomo/MMZ habe ich auf 9,1 +/- 0.5 Millionen abgeschätzt. 
Betrachtet man diese großen Zahlen, kann man Arsenal fast vernachlässigen. Meine Schätzung für sie ist gerademal 261.000 (+/- 25%). Trotzdem ist Arsenal es Wert genannt zu werden, da sie einige innovative und interessante Produkte zu Wege brachten. Ihre erste SLR Kiev-10 ist eine sehr innovative Kamera mit automatischer Belichtungssteuerung in einem einzigartigen Gehäusedesign. Späte Kameras htten Nikon Bajonett. Meine Schätzung basiert auf recht wenigen Serien-Nummern, die ich im Netz finden konnte. Considering these huge numbers you can almost forget about the last producer on my list. My estimation for them is just 261,000 (+/- 25%). However, Arsenal is worth mentioning as they produced some very nice and innovative models. Their first model Kiev-10 is a very innovative camera featuring automatic exposure control in a unique body design. Later cameras had Nikon's F mount. My estimates are based on a few serial numbers I found on a couple of web-sites.
My most important source is the very comprehensive website Sovietcams.com, which reports most of the information from other sources in a nice and informative way. Other sources were USSRPhoto.com, Tigers Lair (repair manuals...),ACP, ...In total there are about 23 million (+/- 0.5 million) 135 film SLRs produced in Russia and Belarus, within the time frame of 52 years (1952-2004). Most of them probably stayed within the former Soviet Union, although there was significant export into the capitalistic West as almost from every model a variant can be found with Roman instead of Cyrillic letters. However, I could not find a percentage (or the like) how much have been exported. Interestingly, the production number distribution goes in-line with the world wide development. The 1980íes were THE SLR decade, world wide as well as in the USSR most of these cameras have been produced and sold within this ten years. 
Mein wichtigste Quelle ist die sehr umfangreiche website Sovietcams.com, die andere Internet Quellen hübsch und sehr informativ aufbereitet. Andere Quellen waren noch USSRPhoto.com, Tigers Lair (Reperaturanleitungen...), ACP, Insgesmat wurden also ungefähr 23 Millionen (+/- 0.5) KB-Spiegelreflexkameras innerhalb von 52 Jahren (1952-2004) auf dem Boden der ehemaligen Sovietunion produziert. Die meisten davon werden auch in Russland etc. geblieben sein, auch wenn es von fast jedem Modell eine Variante mit lateinischer statt kyrillischer Beschriftung für den Export ins kapatalistische Ausland gab. Ich konnte dazu allerdings keine Zahlen finden. Interessanterweise folgen die Produktionsmengen dem weltweiten Trend. The 1980er waren DIE Spiegelreflexdekade, weltweit wie auch in der UDSSR wurden die meisten SLR innerhalb dieser 10 Jahre gebaut.
When KMZ started producing SLRs in 1952 they were technologically in-line with German and later Japanese companies. During the late 50ies and early 60ies there was even some innovation coming from Russian camera engineers. However, over the decades they lost more and more contact to their western competitors. Automation and other innovation did arrive much later if at all. Some say Zenit or Kiev cameras from the late 1990ies would have been quite competitive in Western markets if offered in the mid 1970ies. 
Als KMZ 1952 begann Spiegelreflexkameras zu bauen, waren sie noch auf Augenhöhe mit duetschen und später japanischern Herstellern. In den späten 50ern und frühen 60ern konnte man sogar etwas Innovation von den russischen Ingenieuren finden. Mit der Zeit verlor man aber den Anschluss an den westlichen Wettbewerb. Alles Neue kam mit großer verzögerung, wenn überhaupt. Manche sagen Zenit oder Kiev Kmaeras aus den 90ern wären konkurrenzfähig gewesen, wenn sie schon 20 Jahre früher auf den Markt gekommen wären. 
Anyway, 23 million cameras is almost double the German SLR production (12 million) and the USSR is a serious candidate for second place behind Japan (I don't know yet, how China is doing). 
Wie dem auch sei, 23 Millionen Kameras sind immerhin doppelt so viele wie jemals in Deutschland produziert wurden (12 million) und die UdSSR ist ein ernsthafter Kandidat für den zweiten Platz nach Japan (wobei ich noch nicht weiß, wie sich China schlägt). 

2015-01-04

(Lomography) Konstruktor

Eine funktionstüchtige Spiegelreflex für den Kleinbildfilm zum Selbstbauen? Kann das gehen? Es geht! Man braucht nur diesen Bausatz vom Lomography-Projekt, ein bißchen Geschick und ca. 2 Stunden Zeit (wenn man das zum ersten Mal macht). Ich habe diesen schon im September zum Geburtstag bekommen, aber erst jetzt in meinen Weihnachtsferien die Zeit gefunden. Die mehrsprachige Anleitung ist recht gut und genau, vieles ist mit Bildern erklärt. Ich habe aber natürlich den Baufortschritt in Bildern dokumentiert:


Hier ein paar weitere Stichpunkte zur Kamera neben dem üblichen Datenblatt unten.
  • Vollplastik Konstruktion (ABS, daraus bestehen auch die allermeisten anderen Kameras heutzutage).
  • die eine Linse ist vermutlich aus Polycarbonat, ich werde bei einem Test  mal die Bildqualität checken.
  • Der Spiegelkasten kommt als kompliziertester Teil vormontiert, vermutlich damit auch jeder die Sache hinbekommt. Allerdings ist in der Bauanleitung auch detailliert dieser Aufbau beschrieben, sodass Interessierte auch hieran rumschrauben können.  
Ansonsten: Hat Spaß gemacht! Die Fotos vom Test kommen dann irgendwann hier.


Datenblatt Erste Do-It-Yourself SLR
Objektiv Einlinsiges Plastikobjektiv 50 mm f/10, 0.5m bis unendlich, keine Blende. Kann über ein einfaches Bajonett abgenommen werden, keine anderen Wechselobjektive verfügbar.
Verschluss Innovativer Klappverschluss (1/80 s) im Spiegelkasten und B.
Fokussierung Manuell am Objektiv, Spiegelreflex mit Einstelllupe, keine sonstigen Einstellhilfen.
Sucher Spiegelreflex mit ausklappbarem Lichtschachtsucher, Einstelllupe.
Blitz keine Anschlussmöglichkeit.
Filmtransport Drehknopf, Bildzählwerk, Rückspulknopf.
sonst. Ausstattung keine.
Maße, Gewichtca. 126x75x70mm, 192 g (ohne Film)
Batterie keine.
Baujahr(e)Juni 2013 - ...
Kaufpreis, Wert heute$35
LinksThe Konstruktor offical site, Camera-Wiki

2015-01-03

Lytro Review (Teil 8 - Fazit und Linkliste)


...und? Hat sich die Anschaffung der Lytro gelohnt? Ich bin immer noch hin und her gerissen in meiner Meinung. Einerseits muss man den Mut der Lytro-Leute (insbesondere Ren Ng) und deren Investoren anerkennen, aus dem Lichtfeld-Konzept ein tatsächliches Produkt zu machen und sich dem Urteil des Marktes zu stellen. Andererseits hat zumindest diese erste Generation zu viele Schwächen, die einem schnell den Spaß daran verderben können und schlimmsten Falls am Konzept haften bleiben.
Das geht schon mit dem Design der Kamera los. Die ungewöhnliche Form kann man noch als Geschmacksache abtun, immerhin unterstreicht die Form, dass auch das Fotogrfieren ungewöhnlich ist. Aber musste es dieses winzige 128x128 Pixel Display sein? Hier wurde ganz eindeutig an der falschen Ecke gespart.
Mein Hauptkritikpunkt aber ist die unterirdische Bildqualität, die nicht nur an der geringen Auflösung von ca. 1 MP liegt. Sowas gehört nicht auf den Markt! Zum anderen stört mich der dazu unverhältnismäße Resourcenverbrauch, sowohl hinsichtlich Rechenzeit als auch beim Speicherbedarf. Hier ist dringend Abhilfe nötig. Es gibt allerdings Hoffnung auf Besserung. Lytro's zweite Kamera Illum beweist, dass man verstanden hat. Die Bildqualität der Bilder auf der Homepage ist deutlich besser, und auch das Konzept der Kamera ist konventioneller. Doch die Hauptkritikpunkte bleiben wie ein erster Test der Computerzeitschrift Chip zeigt. Die Lytro-Leute sollten aber schleunigst auch die Software entschlacken und endlich Datenkompression einführen, damit das Verhälnis von Qualität und Resourcenverbrauch ins Lot kommt. Außerdem bedarf es einer viel besseren Integration in die Smartphone Biotope. Die iPhone-App zeigt erste schicke Ansätze, trotzdem kommt der Frust schnell an anderer Stelle.
Ich persönlich bin gespannt, wie sich das Projekt Lytro Lichtfeldkamer weiterentwickeln wird. Ich kann mir mehrere Szenarien vorstellen. Das erste ist wohl die Hoffnung/Vision der Lytro-Leute: Man schafft es die Schwachpunkte nach und nach auszumerzen, die Illum kommt mittelfristig in Preisregionen (sagen wir $500), und die Kunden kaufen zahlreicher. Das erlaubt die Entwicklung der 3. Kamerageneration und einer dazu passenden schnellen Smartphone-App, die gute Bildqualität mit einem schnellen Social-Network-Workflow verbindet und endlich den Lichtfeld-Hype auslöst.
Leider gibt es aber nüchtern betrachtet eher Anzeichen für folgendes Szenario: Man gibt der Illum noch ca. 2 Jahre, um endlich am Markt anzukommen, investiert aber nicht mehr viel Mühe in die Verbesserung des Produktes. Die Finanzinvestoren werden ungeduldig und lassen sich nicht länger vertrösten. Am Ende haut man die Kameras zu Ramschpreisen raus. Die Patente werden verkauft und die Technologien finden in die Nischen in die sie gehören (Mikroskopie, Raumfahrt, etc.). Vielleicht baut ein Smartphonehersteller mal eine plenoptische Kamera und ein 3D-Display in die übernächste Generation? Die Anzeichen dafür: Gründer Ren Ng geht schon 2015 zurück an die Uni, Lytro verkauft seit kurzem auch Technologie-Kits, Lytro's Konkurrent Raytrix konzentriert sich auch nur auf Nischen.Warten wir's also ab.

Für alle, die jetzt noch weiterlesen wollen, gibt es jetzt hier eine Linkliste zu durchklicken. Zunächst natürlich alle anderen Teile meiner Review-Serie: 0 - theoretischer Hintergrund, Meine neue Lytro, 1 - Bedienung der Kamera und praktische Erfahrungen, 2 - Lytro Desktop (die zugehörige Software), 3 - Lytro Web , 4 - Lytro App, 5 - Living Pictures auseinander genommen, 6 - Testfotos und Bildqualität, 7 - 3D-Fotos mit der Lytro. Neben Lytro's eigener Homepage sind insbesondere das Lightfield Forum, sowie Jan Kucera's Lytro Meltdown noch zu empfehlen. Es gibt aber auch kritische Stimmen im Netz, wie diese englische Computer-Zeitschrift oder gar richtige Verrisse.

Um meine Frage von oben zu beantworten: Viele Fotos werde ich mit meiner Lytro wohl nicht machen. Ich bin aber nicht so enttäuscht, dass ich das Ding gleich wieder weiterverkaufe (wie ich tatsächlich zwischendurch dachte). Dafür bin ich zu sehr Sammler. Wer weiß, vielleicht ist die erste Generation in 20 Jahren eine Rarität... Ich werde meine wohl an Interessierte verleihen, damit haben sich die $99 Investition dann doch gelohnt.

2015-01-02

Lytro Review (Teil 7 - 3D Fotografie)

Eines der wenigen Dinge mit der mich die Lytro positiv überrascht hat, ist die Möglichkeit 3D-Fotos mit nur einer Linse zu machen. Eigentlich nicht die Tatsache selbst -darüber hatte ich schon gelesen- sondern wie einfach und geradeaus das in der Software umgesetzt wurde und wie gut der 3D-Effekt bei mir als Betrachter ankommt. 
Lytro bietet dazu zwei Möglichkeiten: A) wie Anaglyph-3D, das ist die altbekannte Methode mit der Rot-Grün (oder besser Rot-Cyan) Brille. Eine solche hat wohl (hoffentlich) jeder irgendwo in der Ecke rumliegen und kann es an meinem Lytro-Selfie testen. B) ist die modernere Variante der sog. side-by-side Darstellung, die moderne 3D-TV Geräte hochfrequent abwechselnd darstellen. Der Betrachter guckt dabei durch eine Shutter-Brille und sieht das 3D-Bild vollfarbig. Es gibt auch schon Geräte, die ohne Brille auskommen. Das Ganze konnte ich mangels TV nicht testen, ich denke aber Lytro wird uns schon nichts vormachen. Hier ist das entsprechende Bild, was die Software exportiert:


Als Anregung für Lytro (für die nächsten Generationen von Kameras und Software) sei hier noch das Linsenrasterverfahren erwähnt (Lentikular-Bilder). Das wäre wirklich cool, wenn man diese netten Flip-3D-Postkarten mit der Lytro machen könnte. Doch reicht vermutlich die Auflösung der ersten Lytro nicht aus, um ansehnliche Ergebnisse zu produzieren. Lentikulardisplays werden auch in anderen Zusammenhängen immer wieder diskutiert. Auch existiert ein Gerücht, dass angeblich Apple an brillenlosen 3D-Displays für das kommende iPhone 6s (oder 7) arbeitet. Wäre es da nicht  naheliegend auch an eine 3D-fähige Kamera zu denken? Lytro-Gründer Ren Ng hatte sich 2012 noch mit Steve Jobs getroffen. Ob die beiden damlas schon über diese Vision gesprochen haben? Jedenfalls hält Apple in der zwischenzeit ein entsprechnednes Patent...

Fazit: Ich finde die 3D-Fähigkeiten der Lytro ein cooles Feature, dass auch gut umgesetzt wurde und meiner Meinung nach weiter ausbaufähig ist.

Die anderen Teile meiner Review-Serie sind hier zu finden:

2015-01-01

Lytro Review (Teil 6 - Bildqualität)


Man konnte es schon an den anderen Beispielen sehen, die Bildqualität der Lytro ist nicht überragend, eigentlich sollte man sagen: sie ist schlecht! Natürlich hat das Projekt Lichtfeldkamera mit ein paar Umständen zu kämpfen, die es nicht erlauben aus dem Stand die Bildqualität zu erreichen, die man von heutigen multi-Megapixel Digitalknippsen gewöhnt ist (einschließlich der allgegenwärtigen Smartphones!). Die Tiefen- und 3D-Informationen, die die Kamera mit ihrem Konzept aus den Sensordaten gewinnt, kosten ca. 66% der physikalischen Auflösung des ansonsten recht leistungsfähigen Aptina MT9F002 Sensors, dummerweise werden dessen 14 MP (Rechteck-) Auflösung zusätzlich noch auf ein 10.7 MP-Quadrat beschnitten. Exportiert man schlussendlich mit Lytro Desktop ein (nachträglich fokussiertes) JPEG, bleiben mickrige 1080x1080 Pixel (1 MP) übrig. Das ist heute nichtmal mehr am Computer ansehnlich, insbesondere wenn man mit der Bildschärfe spielen will, denn eigentlich ist ALLES irgendwie unscharf. Das fällt besonders bei Aufnahmen auf, bei denen eigentlich alles scharf sein sollte, wie zum Beispiel das Haus bei meinen Beispielen (gute Beleuchtung, alle Objekte weit weg).

Lytro Olympus PEN PL-1 Nikon Coolpix 3400
Lytro Olympus PEN PL-1 Coolpix
skaliert auf
1080x1080 px ->
Olympus PL-1 (1080px) Coolpix 1080px

Ich habe mir heute den Spaß gemacht und die Lytro in zwei Situationen gegen die Olympus PEN PL-1 (12 MP, mit Lumix G 40 f/1.7) und meine älteste noch funktionierende Digitalkamera Nikon Coolpix 3400 (4 MP, von 2003) antreten lassen. Bitte selbst schauen (Klick auf die Bildchen macht sie groß...). Interessanterweise ist es nicht die Auflösung alleine, die bei der Lytro für Frust sorgt. Das zeigt die mittlere Bilderzeile, wo ich die Aufnahmen von der Olympus und der Nikon auf 1080x1080 Pixel runterskaliert habe. Beide sind deutlich besser als das Bild der Lytro. Letzteres enttäuscht mich doch sehr. Ich wusste, dass ich mich auf 1 MP bescheiden muss, auch wenn Lytro seine Kunden mit nichtsagenden 11 Megarays hinters Lichtfeld führt. Das dann noch schlechte Bildqualität obendrauf kommt, hatte ich nicht erwartet. Ich weiß nicht, ob ich zu kritisch hier bin, aber mir macht das Fotografieren mit dem Ding immer weniger Spaß.

Hier zum weiterlesen, die anderen Teile meiner Review-Serie: