2017-08-14

Carl Zeiss Sonnar 5cm f/1.5


Ich hatte es bei meinem Post zur Contax II schon dezent angedeutet: Neben der Kamera selbst ist natürlich das Objektiv der Star, quasi der Meilenstein am Meilenstein. Das Carl Zeiss Sonnar, insbesondere in der Lichtstärke f/1.5, war in den 1930er Jahren DAS Hochleistungsobjektiv schlechthin. Man kann die Leistung seines Designers Ludwig Bertele und die Bedeutung dieser Erfindung für die Fotographie nicht hoch genug einschätzen.  
Die Ausgangslage bezüglich Objektivdesign war für den jungen Bertele eigentlich ganz gut. Schon ein paar Jahre vor seiner Geburt wurde das Hauptproblem der fotografischen Abbildung - der Astigmatismus - durch Taylor und seinem sog. Cooke-Triplet grundsätzlich gelöst. Um es kurz zu machen: Diese geschickte Kombination von zwei Sammel und einer zentralen Zerstreuungslinse bildet als ganzes wie eine Sammellinse ab, wobei sich die Abbildungsfehler der Einzellinsen aber im wesentlichen gegenseitig aufheben. Leider funktioniert das nur bis zu einer gewissen Lichtstärke, bei ca. 3.5 oder größer wird es unschön, besser blendet man auf 5.6 oder gar 8 ab. 
Natürlich versuchte man, durch Einfügen weiterer Elemente und die Verwendung hochbrechender Gläser lichtstärker zu werden ohne die Abbildungsleistung zu stark zu opfern. Der erste wirklich nennenswerte "Lichtriese" war das Ernostar f/2, entwickelt mit nur 4 Linsen von eben jenem Ludwig Bertele im Alter von nur 23 Jahren. 
Allerdings stiegen zur selben Zeit mit dem Aufkommen der Kleinbildkameras auch die Anforderungen an die Abbildungsleistung. Außerdem treibt man mit dem Einfügen zusätzlicher Linsen für Abbildungsleistung und Lichtstärke quasi den Teufel mit dem Belzebub aus. Jeder zusätzlicher Glas-Luft Übergang bedeutet Streuverluste, die mit Kontrast- und Lichtverlust einhergehen. Was also tun? Bertele lieferte die Antwort, in dem er Linsen "verkittete", am besten solche mit unterschiedlichen Glas (bzw. Brechungsindex). Schon in den 1920er Jahren verbesserte er bei Ernemann seine Ernostar-Objektive dadurch. Spätestens seit 1926 als Ernemann von Zeiss Ikon (und damit auch Bertele) übernommen wurde, verfeinerte er und das Team bei Zeiss die Technik dazu immer mehr und verkittete nicht nur zwei, sondern später sogar drei Linsen miteinander. Man kann also sagen, dass diese Technik den Objektivdesignern einen neuen Freiheitsgrad verschaffte. 
Das Sonnar f/1.5 von 1933 ist also quasi der Gipfel dieser Entwicklung, denn Bertele war es gelungen ein komplexes System aus 7 Linsen wieder zu einem Triplet zu gruppieren. Die Abbildungsleistung war derart gut, dass nur bis ca. 2.8 abblenden muss, um das Optimum rauszuholen. Fotografen und betuchte Amateure schwärmten und begründeten den legendären Ruf des Namens Sonnar. 
Die Entwicklung ging natürlich weiter und das bezeichnenderweise ebenfalls bei Zeiss Ikon in Jena. Im Jahre 1935 patentierte Alexander Smakula, ein (gleich alter) Kollege von Bertele die "Antireflexbeschichtung" oder "Vergütung" optischer Linsen. Auch das Sonnar wird später mit vergüteten Linsen gebaut und von Zeiss mit dem roten T* vermarktet, aber das wird vielleicht mal Thema eines anderen Posts. Allerdings macht die heutige Technik der Mehrschichtvergütung sehr komplexe Objektivkonstruktionen mit wieder einer größeren Zahl von freistehenden Gruppen möglich. Verkittung von einzelnen Linsen wird zwar noch angewendet, aber eher selten. 
Mein Sonnar hier von 1938 ist noch unvergütet und ich werde bei Gelegenheit mal Testfotos machen und auch hier zeigen. Für alle die weiterlesen wollen seien Frank Mechelhoff's exzellente Seiten empfohlen. 

2017-08-04

Zeiss Ikon Contax II

Es steht zwar nirgendwo Zeiss Ikon auf der Kamera, aber jeder Fotointeressierte in den 1930er Jahren wusste, wer da (endlich) gegen die Leica den technologischen Wettbewerb im neuen Kleinbildsektor aufnahm. Nach einem vielleicht überhasteten Versuch mit der Contax I im Jahre 1932, der noch nicht zuverlässig arbeitete und immer wieder verbessert wurde, konnte Zeiss Ikon im Jahre 1936 mit diesem zweiten Modell der Welt zeigen, dass sie Technologieführer waren, und das weltweit! Stephen Gandy hat auf seiner Seite Camerquest die Vorzüge der Kamera im Detail diskuiert und auch schön tabellarisch den direkten Vergleich mit der Leica IIIa gezogen, der klar zugunsten der Contax ausgeht. Ich will hier natürlich nicht alles wiederholen. Aber sie ist ohne Zweifel ein technischer Meilenstein im Kamerabau, sie war die erste richtige Messsucherkamera mit eingespiegeltem Entfernungsmesser im Sucher (Leica hatte das erst ab der M3, 1954) und sie hatte den damals schnellsten Verschluss mit 1/1250 s. 
Bild aus dem Photo-Porst Katalog von 1937
Ihr größter Vorzug vermutlich aber waren die exzellenten Objektive und auch sonst das Zubehörprogramm, dass Zeiss Ikon innerhalb kürzester Zeit auf die Beine stellte. Davon und natürlich vom hohen Preisniveau kann man sich beim Blick in den Photo-Porst Katalog von 1937 ein Bild machen...
In meiner Sammlung darf dieser Meilenstein natürlich nicht fehlen und wird demnächst neben der Leica III in der Vitrine stehen. Ich habe sie auf e-bay gefunden und angesichts der Tatsache, dass sie mit dem f/1,5 Sonnar kam, einen fairen Preis bezahlt.
Die Kamera trägt die Seriennummer G7773 und stammt somit von 1938. Sie ist gut erhalten, Verschluss, Blende, Entfernungsmesser, Selbstauslöser und Fokus funktionieren einwandfrei. Äußerlich gibt es einige Spuren der normalen Benutzung, an ein paar Stellen blitzt das Messing durch. Auf der Kamerarückseite gibt es einige kleine "Zeiss-Knubbel", Einschlüsse von Messingkorrosion unter dem Leder. Der umklappbare Standfuß am Stativgewinde fehlt, dafür hat sie einen nachträglich eingebauten Blitz-Synchronanschluss, keine der Vorkriegs-Contaxe hatte das im Original. Eventuell ist dieser Umbau sogar in Schweden durchgeführt worden. Ein entsprechender Aufkleber einer entsprechenden Werkstatt findet sich im Filmraum.
So, auf dem Bildchen rechts unten sieht man sie neben meiner Kiev 4, einem fast originalgetreuen Contax III Nachbau aus der Sovietunion. Deren Geschichte ist im entsprechenden Post schon ausführlich behandelt worden. Ihre wirklichen Nachfolger, also Weiterentwicklungen aber waren natürlich die westdeutsche Contax IIa (und IIIa), sowie die ertsklassigen Nikon Messsucherkameras, wie zum Beispiel meine Nikon S. Der absolute Höhepunkt der Entwicklung ist sicherlich die Nikon SP, die zur Grundlage der legendären Nikon F wurde. Aber hier sind wir schon wieder bei Spiegelreflex und einer anderen Geschichte. 

2017-07-29

Nikon F-301 (N2000)


Eine weitere Nikon aus meiner Sammlung, die hier dokumentiert werden will. Ich habe sie glaube ich schon 2014 auf einem Kameraflohmarkt in den USA für nur $20 gekauft, zu Hause Batterien reingetan und festgestellt, dass alles funktioniert und sie dann irgendwie im Regal vergessen. 2015 habe ich sie dann fotografiert, aber immer noch nicht gepostet. Bei meinem Nikon Geburtstagsbeitrag habe ich sie wiederentdeckt, und hier ist sie: Nikon F-301, in den USA als N2000 vermarktet.
 
  
F-301 Broschüre (klick --> PDF)
Die Nikon F-301 ist Nikon's erste Kamera einer neuen Spiegelreflexgeneration, die durch Minolta's (Maxxum) 7000 AF im Jahr 1985 ihren Meister gefunden hat. Nikon hatte 1983 zwar schon eine AF-Übung im Profi-Bereich mit einem F3-Sucher und extra AF-Objektiven gemacht, den Amateurmarkt aber etwas vernachlässigt. Hier musste man 1985 also zügig nachlegen und brachte zunächst diese nicht-AF Kamera in neuem Design, von den Spezifikationen her fast eine Nikon FG mit eingebautem Motor. Sie sah damit der ersten Motor-SLR, der Konica FS-1 sehr ähnlich. Erst 1986 kam dann der eigentliche Nikon Gegenentwurf zur Minolta: die F-501 (in Nordamerika: N2020), die bei fast gleichem eher konservativen Grunddesign (Drehknöpfe!) das Kunststück vollbrachte, dem alten Nikon F-Bajonett zusätzlich Autofokus-Kopplung beizubringen. Das natürlich mit neuen AF-Objektiven und auf- wie abwärtskompatibel (AF-Objektive können mit alten Nikon Gehäusen und umgekehrt, natürlich jeweils ohne AF-Funktion). Damit gewann Nikon viel Lob in der Foto-Community und auch Titel (z.B. Kamera des Jahres 1986). 
Aber auch die kleinere Schwester F-301 bzw. N2000 war ganz erfolgreich und verkaufte sich ca. eine Million mal (eigene Recherche, plus-minus 15%). Weitere Details zur Kamera kann man der Broschüre hier entnehmen. Das hier mit der Kamera abgebildete Objektiv Zoom-Nikkor 35-70/f3.3-5.6 habe ich selbst schon seit 1987, Nikon hatte es seit 1984 im Programm und es wurde wohl auch mit der F-301 zusammen oft verkauft. Die F-301 wurde mehrere Jahre gebaut und erst im Sommer 1990 von der F-601M abgelöst. Aber auch das kann man woanders nachlesen.  

2017-07-01

Nikon 100 Jahre

Herzlichen Glückwunsch zum 100sten Geburtstag, Nikon! Viele solche Beiträge erscheinen diese Tage im Netz (zum Beispiel dieser) und auch ich will nicht fehlen. Insgesamt 35 Posts in diesem Blog befassen sich bereits mit Nikon Produkten und ich hatte es schon erwähnt: Ich war mal ein bekennder Nikon-Fan. Nein, ich muss sagen, wenn es die alten analogen Nikon-Kameras betrifft, bin ich es immer noch! Hier also (ganz subjektiv) meine eigene Nikon-Geschichte, natürlich mit vielen Links zu meinen älteren Posts.
Meine Nikon-Leidenschaft beginnt 1982 mit der Nikon EM, eigentlich damals eine eher untypische Nikon-Kamera und eigentlich belächelt von eingefleischten Nikon Fans. Mir ist immer noch nicht ganz klar, was mich dazu gebracht hat, genau diese Kamera kaufen zu wollen. Aber es muss wohl die Kombination gewesen sein aus dem großen (Profi-) Namen und dem relativ günstigen Preis der Kamera. Ich habe es nie bereut und mit dieser Kamera wohl die meisten meiner analogen Dias und Fotos geschossen. Schnell kamen noch weitere Objektive hinzu, auch hier habe ich mich für original Nikon-Linsen entschieden, wenn auch zunächst aus der günstigen E-Serie. Dass man bei der Kamera die Verschlusszeit nicht manuell einstellen konnte habe ich erstmal hingenommen. Vielleicht wusste ich damals schon, dass dieses Gehäuse nur der Einstieg ins Nikon-System war und ich mir irgendwann auch eine "richtige" Nikon würde leisten können. 
Und tatsächlich habe ich meinen ersten als Zivi verdienten Sold in meine damalige Traumkamera investiert: Nikon FE2. Viel Geld damals, aber ich habe mich lange Zeit darüber erfreut, dass im Gegensatz zu anderen Kameras der 80ger Jahre, diese nicht an Wert verloren hat. Im Gegenteil, nachdem Nikon 1987 die Produktion eingestellt hatte, stiegen die Gebrauchtpreise über den vorherigen Neupreis. Nikon hat mit der direkten Nachfolgerin FM3a ja dann sogar im Digitalzeitalter noch einen analogen Klassiker produziert.
Bei mir kamen dann auch die ersten richtigen Nikkore dazu, neben dem 35-70 Zoom auf dem Bild auch das legendäre ED 2.8/180.  Auch ein richtiger Motorantrieb (Nikon MD-12) musste her, nur beim Blitz habe ich Nikon keine Kompetenz zugesprochen, sondern stattdessen einen Metz gekauft.
Während des Studiums - 1988 bis 1996 -, eigentlich die Zeit der Autofokus und motorisierten SLR's kaufte ich mir keine Nikon F-801, sondern begann mich für die älteren Nikon Modelle zu interessieren. Eine Nikkormat FT3 lief mir bei einem meiner Fahrradrunden über den Weg, die mich regelmäßig an den Gebraucht-Schaufenstern der Bielefelder Fotohändler vorbeiführte. Mit dieser super robusten Kamera habe ich danach viel und gerne fotografiert und ich würde sogar heute noch zu ihr ins Regal greifen, wenn ich jemandem die analoge Fotografie am funktionierenden Beispiel erklären wollte.
Schon während des Studiums wurde die Familie gegründet und es war natürlich weniger Geld für das Hobby da. Um die Kinder und sonstiges zu fotografieren bestand aber Bedarf an (fast) Immerdabei-Kameras, und - was soll ich sagen-, auch die beiden nächsten Kameras waren Nikons! Zunächst 1993 eine Nikon RF2, eine Kamera, die einfach das gemacht hat was sie sollte: Fotos. 2003 war dann auch die erste Digitalkamera eine Nikon:
Coolpix 4300, eine solide und kompakte Digitalknippse der ersten Digitalkamera-generation, die mit 4.3 Megapixeln bei Abzügen analogen Kompaktkameras ebenbürtig und dabei auch finanziell einigermaßen erschwinglich war. Überzeugt hatte mich damals (neben dem Markennamen Nikon) der Nikon-typische Systemgedanke: Man konnte über das Filtergewinde Objektivadapter anschließen. In meinem Fall ein Weitwinkelmonstrum, fast größer als die Kamera. Sowas konnte die Konkurrenz damals nicht.
Aber bei meinem weiteren Weg in die Digitalfotografie hat Nikon mich so sehr enttäuscht, dass ich fortan bei Neukäufen fremdgegangen bin. Ich fand es zunächst genial, dass sie im Gegensatz zur Konkurrenz das alte Nikon F-Bajonett ins Digitalzeitalter gerettet haben. Ich stellte mir vor, dass ich alle meine Objektive zwar manuell fokussiert weiterverwenden könnte. Als ich das dann aber an einer D70, die mir ein Freund zum Testen geliehen hatte, ausprobierte musste ich feststellen, dass man alte Objektive zwar anschließen konnte, mit diesen aber keinerlei Belichtungsmessung oder gar Zeitautomatik möglich war. Dies war aus Marketing-Gründen nur den Profimodellen oder dem damilgen Top-Modell D200 möglich. Das nötige Geld dafür habe ich dann lieber in eine andere Kamera investiert, die mich wegen ihrer analogen Anmutung und trotzdem konsequenten Digitalausrichtung faszinierte: Panasonic's Lumix DMC L-1. Schade, dass das keine Nikon war...

Später habe ich trotzdem wieder Nikon Kameras und Objektive gekauft, allerdings nur noch gebrauchte alte Schätzchen, die plötzlich erschwinglich wurden. Ich lebte inzwischen (für einige Zeit) in den USA, wo alte Nikon Kameras viel häufiger anzutreffen sind als hier in Deutschland. Dementsprechend günstiger sind auch immer noch die Gebrauchten. Für nur US$90 wurde auf einem Kamerflohmarkt diese wundervolle Nikon F und das Nikkor 1.4/50 meins. Ich habe sogar ein paar Filme damit verknippst, immer noch ein Erlebnis. 

Während ich eine Nikon F auch in Deutschland schon das eine oder andere Mal im Schaufenster im Original sehen konnte, war ich völlig aus dem Häuschen eine Nikkorex F in den USA in die Hand zu bekommen und sogar sehr günstig zu erwerben. In Deutschland wurde Nikon's erster Versuch einer Consumer-Kamera nie offiziell verkauft.
Mein größter Nikon Sammlertraum ging aber mit dem Kauf der Nikon S in Erfüllung. Auf fast jedem Kameraflohmarkt, den ich in den USA besucht habe, konnte man die eine oder andere Nikon Messsucherkamera in die Hand nehmen,
was ich ausgiebig genutzt habe. Sie bilden (neben den exzellenten Objektiven natürlich) die Grundlage für Nikon's späteren Erfolg als Kameraproduzent. Mein absoluter Traum wäre eine Nikon SP mit dem Nikkor-N 1.1/5cm. Diese Kombination hatte ich tatsächlich mal in den Händen, der Verkäufer wollte aber ca. US$ 5000 dafür haben... Die Nikon S habe ich aber tatsächlich zum Fotografieren benutzt, die Ergebnisse können sich sehen lassen.
Die letzte Nikon Kamera, die ich bis jetzt gekauft habe, war die Nikonos I, die legendäre Unterwasserkamera mit Wechselobjektive, wirklich eine würdige Nikon. 
Vielleicht kaufe ich auch zukünftig weitere Nikon Kameras für meine Sammlung, die Nikkorex 35 oder Nikkorex Zoom würden mich interessieren, vielleicht weitere Messsucher-Modelle oder auch eine F2 könnten mir gefallen. Eventuell komme ich ja auch mal günstig an eine Nikon D-1, der ersten eigenen Profi-DSLR, die wird immerhin 2019 schon 20 Jahre alt, ein weiterer Geburtstag zum Feiern. Also nochmal: Herzlichen Glückwunsch zum 100sten, Nikon! 


2017-06-09

Kodak Instamatic 100



Wieder mal ein echter Meilenstein als billiger Flohmarktfang. Für nur 5 € wurde diese Kamera mein, sogar inklusive einer gut erhaltenen schwarzen Bereitschaftstasche. Viel kann an dieser ersten Instamatic auch nicht kaputtgehen, sie ist aber im Ganzen sehr gut erhalten, viel besser als meine bisherige "104", die Kodak's Meilenstein bisher in meiner Sammlung vertreten musste. Die alten Batterien für den Betrieb der Blitzbirnchen waren ausgelaufen, daher habe ich die Kamera vorsichtig zerlegt, um die letzten Reste davon zu entfernen. Dabei habe ich mir natürlich den Verschluss genauer angeschaut und auch hier mal dokumentiert. 


Ich habe hierzu wieder mein iPhone 6 in SlowMotion (240 fps) bemüht, analysiert man das Video ist der Verschluss ganze 3 Frames offen, also 1/80 s, was der Angabe von 1/90 s für die Kamera im Rahmen der Messgenauigkeit entspricht. Das meiste, was es zu der Kamera zu schreiben gibt, habe ich schon bei ihrer späteren Schwester und Nachfolgerin 104 getan und werde es jetz nicht hier wiederholen. Auch das mit dem Camerosity code habe ich dort erklärt. Natürlich hatte ich gehofft, eine Kamera von 1963, dem ersten Baujahr, zu ergattern. Dem ist aber leider nicht so. Diese hier hat den Code YROE und stammt daher von 05/64 (während die 104 YEOR = 04/65 hat!)


Zum Schluss noch etwas Interessantes: Die ausgelaufenen Batterien im Inneren der Kamera waren zwei alte Duracell AAA-Zellen der Firma MALLORY, die sich schon 1978 in ihren Markennamen Duracell umbenannte und das Geschäft später an Procter&Gamble verkaufte. Mallory hatte in den 1950er Jahren diese leistungsfähigen AAA-Batterien speziell für Kodak Blitze entwickelt, musste aufgrund des gelben Riesen aber die Technik an andere Batteriehersteller lizensieren, damit Kodak seinen Kunden überall auf der Welt preiswerte und verfügbare Batterien anbieten konnte.

2017-04-17

Agfa Optima


Durch meinen Fund der Agfa Optima Reflex neugierig geworden, habe ich mich auch nach der original Optima von 1959 umgeschaut und bin schnell fündig geworden. Hier ist sie also: die erste Kamera mit vollautomatischer Belichtungssteuerung von Blende und (!) Verschlusszeit, sprich: Programmautomatik.
Optima 1 Optima2
Magische Taste nicht gedrückt - Schieber in Ausgangsposition, Nadel kann sich frei bewegen Magische Taste gedrückt bei wenig Licht -
Nadel eingeklemmt, Schieber etwas vor
Optima3 Optima4
Magische Taste gedrückt bei mittlerem Licht -
Schieber weiter links
Magische Taste gedrückt bei viel Licht -
Schieber ganz links

Ich war natürlich neugierig und habe mal nachgeschaut, wie die Agfa Ingenieure die automatische Belichtungssteuerung realisiert haben. Das Problem, was es zu lösen galt, war folgendes: Der einzige damals zur Verfügung stehende Lichtsensor ist die Selenzelle, die jedoch nur ein "Strömchen" von einigen µA (Millionstel Ampere) liefert. Das ist gerade genug, um mit einem filigran aufgehängten Drehspulinstrument eine federleichte Nadel zu bewegen (wie in vielen damaligen Belichtungsmessern realisiert), reicht aber natürlich nicht, um Blende und/oder Verschlusszeit elektrisch betrieben zu verstellen. Hierzu braucht es deutlich mehr Kraft, die sich die Optima vom Fotografen leiht, der dazu die "magische Taste" ganz runterdrücken muss. Diese aktiviert nämlich nicht den Belichtungsmesser. Dieser ist immer an und bewegt wie gewohnt per Drehspule eine Meßnadel. Wenn nun die Taste runtergedrückt wird, wird diese Nadel an ihrer jeweiligen durch die Lichtmenge vorgegebenen Position eingeklemmt. Der weitere Druck auf die Taste bewegt aber einen Schieber, und zwar je nach Position der eingeklemmten Nadel unterschiedlich weit. Dieser Schieber wiederum verstellt nun Blende und Verschlusszeit. Bei der Optima wird bei steigender Lichtmenge zunächst die Verschlusszeit kürzer (bis min. 1/250s) und dann die Blende geschlossen. Gleichzeitig schwenkt (falls sich der Schieber überhaupt bewegt) ein grün-rotes Fähnchen nach Links, das in den Sucher eingespiegelt wird und dem Fotografen signalisiert, dass das Licht zum Knippsen reicht. Ich hoffe, die Bilder der geöffneten Kamera illustrieren das ein wenig, die Nadel ist leider schlecht zu erkennen. Die Drehspule sitzt übrigends genau unter dem Einstellrad für die Filmempfindlichkeit, und wie man sich denken kann, wird die gesammte Spule mit dem Einstellrad verdreht und somit natürlich auch die Ausgangsstellung der Messnadel. Pfiffig!      

Optima 5 Optima 6
Die Agfa Optima war nicht die erste Kamera mit automatischer Belichtungssteuerung. Diese Ehre gebührt der Kodak Super Six-20 schon 1938, eine sehr seltene und entsprechend teure Sammlerkamera. Sie verwendete aber schon das oben beschriebene Prinzip, allerdings nur zur Steuerung der Blende (sog. "Blendenautomatik"). Anfang der Fünziger entwickelten die Gebrüder Durst eine pneumatische Steuerung der Verschlusszeit, und realisierten damit eine "Zeitautomatik" in der ersten Kleinbildkamera: Durst Automatica von 1956, ebenfalls recht teuer und selten. Agfa lizensierte dieses Patent 1956 für die Agfa Automatic 66, konnte aber wegen des hohen Preises nur ca. 5000 Exemplare verkaufen. 1958/1959 kam dann Bewegung in den Markt. Innerhalb eines Jahres  erschienen neben der Optima die Braun Paxette ElectromaticKodak Automatic 35Bell & Howell Electric Eye 127, Kodak Brownie Starmatic und die Revere Eye-Matic EE 127. Die letzten drei waren eher einfache Boxkameras für den 127er Rollfilm und alle hatten lediglich eine Blendenautomatik an Bord und meist nur eine Verschlusszeit. Alle, außer der Agfa Optima natürlich, die als erste eine echte Vollautomatik lieferte. 
Agfa hatte sehr viel Erfolg am Markt damit und baute entsprechend schnell seine Optima Modellpalette weiter aus. Innerhalb von ca. 4 Jahren wurden 1 Million Optima Kameras verkauft, vom ersten Modell erkennbar an der magischen Taste links vom Objektiv alleine ca. 500,000, bis es ab ca. 1961 von seinen verbesserten und z.T. billigeren Nachfolgern abgelöst wurde (siehe Links unten). Doch auch der technische Fortschritt damals war gewaltig und CdS-Belichtungsmesser lösten langsam die Selenzellen ab, die wohl erste KB-Kamera mit einer CdS und damit batteriebetriebenen Automatik war schon 1963 die Konica Auto S, aber das wird vielleicht eine andere Geschichte...

Datenblatt Erste KB-Sucherkamera mit vollautomatischer Belichtungssteuerung
Objektiv Agfa Color Apotar S (39 mm f/3.9, Triplet, vergütet).
Verschluss Compur Zentralverschluss 1/30-1/250 s, elektrisch gesteuert ("A"). Manuelle Zeiten 1/30 s (Blitz) und B.
Belichtungsmessung Selenzelle mit vollautomatischer Belichtungssteuerung unter Bevorzugung kurzer Verschlusszeiten. Filmempfindlichkeit einstellbar von 10-250 ASA (11-25 DIN).
Fokussierung Manuell am Objektiv mit drei einfachen Entfernungssymbolen. Naheinstellgrenze ca. 1,50 m.
Sucher Optischer Durchsichtsucher mit Bildauschnittmarken und Ampelindikator (rot, grün) für Belichtungsmesser.
Blitz Anschluss über Blitzbuchse, Synchronzeit 1/30 s, manuelle Blendenwahl 3.9 - 22 nach Entfernungstabelle.
Filmtransport Schnellspannhebel, Bildzählwerk (rückwärtszählend, muss manuell initialisiert werden).
sonst. Ausstattung Stativgewinde, ISO-Drahtauslöser, Zubehörschuh, Merkscheibe für Filmart, Filtergewinde 35,5 mm
Maße, Gewicht ca. 135x92x59 mm, 725 g
Batterie keine
Baujahr(e) 1959-1961, ca. 500,000 Exemplare, diese #AU3438 von 1960.
Kaufpreis, Wert heute 238 DM (1959), ca. 30 €.
Links Classic Cameras "The 1959 auto-exposure class"UKCamera, Wikipedia, Bedienungsanleitung (english, deutsch s.u.), Camera-wiki, Lippisches Kameramuseum, kamerasammlung.ch

Klicken, um das PDF der Anleitung zu öffnen...

2017-02-19

Agfa Optima Reflex


Agfa Optima Reflex heißt meine neueste Erwerbung für die Sammlung. Es handelt sich um eine der seltenen zweiäugigen Spiegelreflexkameras für den Kleinbildfilm (35 mm TLR = "twin lens reflex"). Sie war nicht die erste ihrer Art, das ist die berühmte Contaflex von 1935, und auch nicht die letzte. Glaubt man einem umfassenden Vergleich, so ist sie aber diejenige mit dem höchsten Nutzwert oder Fotografierspaß unter diesen. Die Kamera basiert auf der Flexilette, die wiederum einige Elemente mit Agfa's Silette Serie gemeinsam hat. 1959 landete Agfa einen Coup mit der neuen Optima, die erste Sucherkamera mit einer Belichtungsvollautomatik (später "Programmautomatik" genannt). Man erkennt es schon am Namen: Die Optima Reflex hat natürlich diese Automatik an Bord und das macht sie 1961 meines Wissens zur ersten Spiegelreflex mit Programmautomatik. 
Trotz des hohen Preises von fast 400 DM war sie dennoch nichts für den anspruchsvollen Amateur. Weder ließ sich die Verschlusszeit einstellen noch Objektive wechseln. Dafür war sie konsequent auf einfaches Fotografieren ausgelegt. 

Und das geht so: Kamera vors Auge und der Blick durch den sehr hellen und großen Spiegelreflexsucher. In der Mitte hilft ein diagonaler Schnittbildentfernungsmesser beim Scharfstellen. Links im Sucher zeigt ein rotes Fähnchen an, dass der Verschluss gespannt ist. Drückt man dann den Auslöser halb herunter wird die Automatik aktiviert, die Selenzelle misst Helligkeit, stellt zunächst den Verschluss auf eine passenden Verschlusszeit bei Offenblende (2.8), ist es bei 1/250 s dann immer noch zu hell wird die Blende weiter geschlossen. Ist das erfolgreich, wird das Ampelfähnchen im Sucher grün und man kann den Auslöser ganz runterdrücken um die Aufnahme zu machen. Danach wird das Fähnchen schwarz, einfach um anzuzeigen, dass der Verschluss neu gespannt werden muss.
Ist es zu dunkel, bleibt das Fähnchen rot und man hat zwei Möglichkeiten: a) Blitz benutzen, dazu dreht man den Blendenring von "A" nach rechts auf eine der gelb unterlegten Blendenzahlen, die einem Entfernung und die Blitzleitzahl vorgeben. Die Kamera stellt dabei die Verschlusszeit auf 1/30 s. Oder b) Kamera auf's Stativ und Blendenring nach links auf die schwarzen Blendenzahlen drehen. Der Verschluss ist dann auf B gestellt. Zugegeben: damit ist sie nichts für Dämmerungs- oder Innenaufnahmen, da fehlen dann die "langen Zeiten" zwischen 1s und 1/15 s. 

Mit dem 1961-Preisschild von 398 DM (in 2016-Wert: ca. 900€) und dem sehr klobigen Gehäuse hat Agfa aber wohl Anfang der 1960er nur eine kleine Zielgruppe erreicht. Der anspruchsvolle Amateur griff eher zur SLR mit Wechselobjektiven, die anderen zu eher simplen aber preiswerteren Sucherkameras. Man liest daher oft, dass diese Kamera selten ist, allerdings gibt es keinerlei Zahlen. Ich traue mich hier mal an eine Schätzung: Es werden wohl ca. 15,000 bis 20,000, maximal 25,000 Exemplare sein. Für diese Schätzung habe ich Seriennummern "gesammelt", die meisten auf abgeschlossenene e-bay Auktionen. Diese Seriennummern bestehen aus zwei Buchstaben und einer vierstelligen Zahl. In allen 9 Fällen war die Buchstabenkombination entweder "ZU", "ZV" oder "ZW". Für "ZU" habe ich allerdings auch andere Agfa-Kameras gefunden. Damit habe ich mal meine Analyse versucht und komme auf die obige Größenordnung. Basierend auf der geringen Produktionsmenge möchte ich auch McKeown's Angabe anzweifeln, dass die Kamera bis 1966 produziert wurde. Ich postuliere mal 1961-1963/64, Resteverkauf vielleicht bis 1966. Wer hier verlässliche andere Quellen hat, bitte melden...

Ich habe meine auf e-bay gefunden und war wieder mal fasziniert als ich sie dann gestern erstmalig in der Hand hatte. Der erste Eindruck: Was für ein Klotz! Eine richtig massive Kamera und dann noch groß, insbesondere hoch. Dann der Blick durch den Sucher und ein Wow-Effekt. Sowas erwartet man nicht von einer 60er Jahre Kamera, richtig groß und hell und das sogar nur bei 2.8! Ein ähnlichen Wow-Effekt hatte bei meinen SLR's eigentlich nur die Olympus OM-1. Und dann Überraschung Nr. 3, die sich erst allmählich einstellte: Die Selenzelle und damit auch die Automatik scheinen noch zu funktionieren! Beweisen konnte ich das natürlich (noch) nicht, aber die 5 Blendenlamellen stellen sich je nach Lichtsituation unterschiedlich. Mal sehen, ob ich irgendwann mal einen Film riskiere. Für alle, die noch mehr wissen wollen, unten sind wie üblich weitere interessante Links (auch über die anderen 35 mm TLR's)...

Datenblatt Zweiäugige Spiegelreflex (TLR) für Kleinbildfilm
Objektiv 2 x Agfa Color Apotar 45mm f/2.8 (Triplet, vergütet). Nicht auswechselbar. Blendenwerte 2.8 - 22 in ganzen Stufen.
Verschluss Zentralverschluss 1/30-1/250 s, elektrisch gesteuert ("A"). Manuelle Zeiten 1/30 s (Blitz) und B.
Belichtungsmessung Selenzelle mit vollautomatischer Belichtungssteuerung unter Bevorzugung kurzer Verschlusszeiten. Filmempfindlichkeit einstellbar von 10-250 ASA (11-25 DIN).
Fokussierung Manuell am Objektiv. Naheinstellgrenze 1m. Einfache Entfernungssymbole oben, Unterseite Objektiv mit m und feet Skala. Scharfstellen per Reflexsucher mit Schnittbildhilfe.
Sucher Großer und heller Reflexsucher mit Schnittbildentfernungsmesser und Ampelindikator (rot, grün, schwarz) für Belichtungsmesser.
Blitz Anschluss über Blitzbuchse, Synchronzeit 1/30 s.
Filmtransport Schnellspannhebel auf der Kameraunterseite links, Bildzählwerk (rückwärtszählend, muss manuell initialisiert werden).
sonst. Ausstattung Stativgewinde, ISO-Drahtauslöser, Zubehörschuh.
Maße, Gewicht ca. 65x116x140 mm, 850 g
Batterie keine
Baujahr(e) 1961-1963 (?), ca. 20000 Exemplare, diese #ZW5343 von 1963.
Kaufpreis, Wert heute 398 DM (1964), ca. 100 €.
Links John Marriage "History of the 35mm Twin Lens Reflex"Corso Polaris, Wikipedia, Bedienungsanleitung (italienisch), Camera-wiki, Lippisches Kameramuseum, Günter Posch, kamerasammlung.ch